23. Mai 2012, Revolution am späten Nachmittag, 16.55 Uhr

„Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?“ Matthäus, Kapitel 16, Vers 26

Was tun?
Die Möglichkeiten scheinen schier unendlich, unbegrenzt, bilden ein sich dehnendes Universum, darin Rohm sich austoben könnte, sind doch Frau und Kind seit Stunden ausgeflogen.
Also?
Rohm hält den Zeigefinger sinnend, grübelnd an die Unterlippe, die gefurcht, zum Spielen einlädt. Er könnte … Schon! Auf der anderen Seite könnte er aber auch … Ja! Jetzt hat er die Lösung. Endlich. Das ist sie, die geeignete Mittwochnachmittagsunterhaltung. Seine kleine barbarische Revolution auf dem Hoheitsgebiet der Normalität.
Rohm tut es, er rückt, stöhnt, ächzt, setzt sich mit dem Rücken Richtung Bildschirm.
Nein?
Doch!
Dies wird, nein!, dies muss Verwirrung stiften. Er spürt die umstürzlerische Kraft, die vonnöten ist, um auf neue Gedanken zu kommen.
Entsetzt starrt er auf die Oberfläche des Esszimmertisches. Nie zuvor hat er ihn in diesem Tageslicht und aus dieser Position betrachtet. Offenen Mundes findet er keine Worte für die Offenbarung.
Schweiß zwängt sich durch die Poren, schafft sich auf seine Stirn, ruht, läuft davon. (Eine Körperflüssigkeit auf der Flucht vor der Kraft despotischer Gedanken.)
Was für ein aufregender Nachmittag, denkt Rohm und schließt erschöpft die Augen, um der neuen Sichtweise zu entkommen.
Auf keinen Fall kann er sich den Anblick des Tisches länger zumuten.
Die Gefahr, Schaden an Leib, Geist und Seele zu nehmen, ist zu groß.

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