Verteidigungsmaßnahmen

Raus da, raus da, der Helm sitzt, ist zwar nur ein Fahrradhelm, besser als gar nix, denkt er und macht einen Schritt in die Welt hinein, er betritt den Feind, was ist das, denkt er, als ein Blatt an ihm vorüber tänzelt, dieses Blatt hat hier nichts verloren, schon rennt er hinter dem Blatt her, er bekommt es zu fassen, er spurtet zur Mülltonne, er schlägt den Deckel nach hinten, wirft das Blatt angewidert hinein, schließt den Deckel, atmet erleichtert auf, so etwas darf nicht noch einmal passieren, denkt er, da entdeckt er die Mülltonnen des Nachbarn, die Mülltonnen stehen nicht an der vorgesehenen Stelle, er hat es diesem Monster von Nachbar doch schon erklärt, verflucht, verzeihen Sie meinen Fluch, aber die Mülltonne sollte exakt dreißig Zentimeter von der Hauswand entfernt stehen, außerdem sollte sie in Richtung des Mars ausgerichtet werden, Sie müssen darauf achten, hat er geschrien, denn schließlich und endlich wollen Sie ja wohl nicht den Weltfrieden gefährden, oder, der Nachbar hat ihn mit geöffnetem Mund angesehen und genickt, und was muss er nun erblicken, er stürmt über die Straße zu den Tonnen hin, er richtet sie rasch aus, er schnauft laut, sieht auf seine Uhr, er legt den Kopf schief, horcht, nichts von einem Fliegerangriff zu hören, na, denkt er, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen, er entspannt, obwohl er einen Moment wahrer Entspannung überhaupt nicht kennt, er geht über die Straße, was ist das, schreit er, eine Ameise kreuzt seinen Weg, keine Genehmigung, ruft er, die hat keine Genehmigung, er tritt sie tot, tritt und tritt, immer wieder, schon schlägt er die Hände vor sein Gesicht, mein Gott, flüstert er, was habe ich da getan, er muss ins Haus zurück, in die Wohnung, er muss Buße tun, er wird heute nichts essen, er wird die nächsten Jahre nichts mehr essen, er beobachtet eine Verwehung, ein Gemisch aus Sand und Pollen, die sich auf dem Bürgersteig vor dem Haus nieder lassen wollen, dies nicht auch noch, denkt er, er geht zum Sandpollenüberfallkommando hinüber, er räuspert sich, ich würde gerne Ihre Einreisepapiere sehen, schreit er, läuft um die kaum erkennbaren Partikel herum, er verlangt Aufklärung, hier und jetzt, die Grenzen müssen geschützt werden, sonst haben wir ja bald jeden Fliegenschiss hier sitzen, kreischt er, seine Nachbarin scheint bereits nach dem Telefon gegriffen zu haben, man kennt ihn, aber ihn juckt dies alles nicht, denn noch ist er beschäftigt, zumal sich in diesem Moment eine Taube auf dem Grasfleck vor dem Haus nieder lässt, er kann es nicht fassen, er rauft sich die Haare, er hätte nie seine Wohnung verlassen sollen, das hat er nun davon, er sucht nach seinem Taschenmesser, er hat die Schnauze voll, diese Taube ist eine illegale Taube, sie hat hier nichts verloren, er wird ihr nun zeigen, was es heißt, den inneren Frieden seiner Welt zu bedrohen, schon blitzt das Messer in der Sonne, schon schreitet er zur Tat.

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