12. Januar 2011, Schweinerei, 5.55 Uhr

„Wie issendas passiert?“
„Der Laster iss da drüben ins Schlingern geraten. Blitzeis. Das Wetter spielt einfach verrückt. Iss so. Müssense sich ja nur umgucken. Sinn ja nich von gestern, hoff ich.“
„Hasten loses Maulwerk fürn Autobahnjäger. Jetzt hammer die Scheiße, weil das ganze Vieh jetzt unterwegs iss. Wer weiß, womer die alle finden.“
„Schlachtvieh iss dämlich, die werden sich auffen Weg zu ner Wasserquelle machen. Schaunse nett so dämlich. Werden halt nen Getränkeladen überfallen. Hamm nur keine Waffen. Wird also schwierig für das Vieh. – Hey, spuckense mir ma nich auf meine neuen Schuhe. Iss nich die feinste Art.“
„Passt mir gar nicht, das alles. Und du hast nich einen von denen abegeknallt, sehr seltsam.“
„Habs schon tausendmal erzählt. Kam erst an, da warense weg, da lag der LKW um. Einfach so. Hab die Spur aufgenommen. Aber …“
„Bei dem Schnee muss es doch Spuren geben.“
„Hat nach dem Unfall frisch geschneit, da warnse natürlich schon über alle Berge. Muss schon seltsam sein, wenn man auf die Welt kommt, issen Mensch wie alle anderen, nur um dann irgendwann inner Schlachterei zu landen. Da muss man sich doch echt beschissen fühlen.“
„Quatsch! Die gäb es doch gar nicht, wenn wir sie nicht essen würden. Schlachtmenschen sind Schlachtmenschen. Die wissen nix vonem anderen Leben.“
„Und was machense nun?“
„Wir werdense einfangen. Irgendwann haben wir sie. Und dann kommense in die nächste Schlachterei.“
„Schon mal drüber nachgedacht, Vegetarier zu werden?“
„Nö! Und das sagt ausgerechnet n Autobahnjäger. Sitzt hier rum und jagt wilde Autobahnfahrer. Zeig mir mal deine Abschussliste.“
„Chef, die hab ich nich dabei. Was sollen das jetzt?“
„Am Besten kommste ma mit.“
„Issne Schweinerei, wie Sie einen hier behandeln.“
„Das sagense alle und haben dann doch etwas zu verbergen. Du brauchst ne Lizenz, wenn de hier auf wilde Autofahrer schießt.“
„Hab ich, hab ich, Chef, nur nich dabei. Kümmernse sich lieber um das verschwundene Menschenfleisch. Das läuft da draußen irgendwo rum und wartet nur auf Sie.“
„Das bezweifel ich. Aber recht haste. Na, da haste noch mal Glück gehabt. Aber ich behalt dich im Auge.“
„Alles klar, Chef, merk ich mir, beim nächsten Mal zeig ich Ihnen meine Lizenz.“

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