26. August 2010, Ein schwieriger Eintrag, Geburtstag, 5.58 Uhr

Kaffee, Zigarette.
Dieser Eintrag fällt mir besonders schwer, weil ich, warum auch immer, mit meinem eigenen Geburtstag besonders wenig anfangen kann, nicht nur wenig, ich bekomme regelrecht schlechte Laune an meinen Geburtstagen, was einen Freund gestern zu der Aussage verführte, ich soll am Besten Mitglied der Zeugen Jehovas werden, dann hätte sich das Thema erledigt. Ich feiere eigentlich nie meinen Geburtstag, dieses Jahr aber wird es zu orgiastischen Ausschweifungen kommen. Eigentlich enden die Feierlichkeiten erst am Sonntag. Das kann also anstrengend für Kopf und Seele werden. Ich werde viel Kraft brauchen.
Seraphe weckte mich mit einem Kuss, sie zog mich leicht an sich heran, gratulierte mir, dem knurrenden Morgenmensch, der erst mal seinen Kaffee braucht, um überhaupt halbwegs ansprechbar zu sein. Ja, es nicht einfach mit mir, aber das hat auch nie jemand behauptet, nicht mal ich.
Sternchen schläft noch. Gut so. Das Kind war in den letzten Tagen aufgeregt wie eine aufgeschreckte Wespe; beständig sprang sie um mich herum und schrie: „Du hast bald Geburtstag!“
Die eigentliche Feier findet morgen statt. Verleger Seeling kommt aus Frankfurt. Seraphes Familie und Maler Skurski sind ebenfalls mit von der Partie. Dann kommen sie alle: Gina, Gauß, Igel, der gesamte Musenclan. Ich liebe die Leutchen schon sehr, deshalb ist es auch kein Problem für mich.
Ganz besonders freue ich mich natürlich auf die Geschenke. Da kommt das Kind in mir durch. (Seraphe würde jetzt erwidern: Das kommt doch immer durch.) So einiges weiß ich bereits, weil ich es den Leutchen abtrotzte und mir erkämpfte. Filme von Godard, von Trier, Haneke, den kompletten Pepys, der jetzt bei Zweitausendeins erscheint, ja, ich werde mich in einem Meer aus Büchern und Filmen wälzen, darin baden wie Dagobert in seinem Geld. (Keine Angst, ich werde eine komplette Liste in der Pathologie veröffentlichen.)
Habe ich schon einmal von dem Fluch der Rohms erzählt? Vielleicht werde ich das später einmal tun. Rohms werden nicht alt, deshalb vertraue ich auf die Übermacht des mütterlichen Erbguts. An einem Geburtstag denkt man an solche Dinge. Man sieht nach hinten, überblickt, was man erreicht hat (da entdecke ich eine Menge Trümmer), sieht nach vorne, was man erreichen will und überprüft die Zeit, die einem noch bleibt. Bernhard, Nietzsche, Fassbinder schufen unter Zeitnot, immer den Gedanken an einen zu frühen Tod im Kopf. Man muss nur lernen, mit dieser Angst umzugehen, dann kann sie einen zu einem äußerst produktiven Menschen machen. Mein Motto ist, wie bereits schon einmal geschrieben, die Abwandlung eines Fassbinderzitats: Romane schreiben, bis das eigene Leben zum Roman wird.
Die Wohnung liegt noch in der Stille, die nur durch mein Tippen unterbrochen wird.
Was ich mir selbst für die nächsten zehn Jahre wünsche? Na, weiterhin meine Seraphe lieben zu dürfen, mein kleines Sternchen, die beiden Prinzen und die Erbsenprinzessin. Außerdem würde ich gerne noch viele seltsame Romane schreiben, eben jene Romane, die ich einfach nirgends finde und daher selbst schreiben muss. Das wäre es schon fast …

Ich werde jetzt noch einen Kaffee trinken, eine Zigarette rauchen und dann …

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8 Antworten zu 26. August 2010, Ein schwieriger Eintrag, Geburtstag, 5.58 Uhr

  1. MelusineB schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche Ihnen, dass Sie alles kriegen, was Sie sich gewünscht und ertrotzt haben, und dass Sie alles behalten, was Sie gern haben. Und mehr noch als haben und kriegen und behalten, wünsche ich Ihnen, dass Sie das machen können, was Sie machen wollen.

    Feiern Sie schön!

  2. guidorohm schreibt:

    Liebe Melusine, vielen Dank für die Glückwünsche. Ich hoffe, dass wir noch lange in Kontakt bleiben.

  3. Maler schreibt:

    Gut. Dann auch hier: Alles Gute zum deinem Geburtstag! Da würde ich gerne noch ein paar blöde Sprüche einfügen, aber das ist dein Geburtstag:)

  4. guidorohm schreibt:

    Ach, lieber Leszek, welch Zurückhaltung. Lass dich nur gehen. Ich kenn dich eh nicht anders.

  5. Das Erinnert mich daran schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche ihnen, das sie alles kriegen was sie sich gewünscht reingetan und gekotzt haben, und das sie alles behalten, was sie bezahlt haben. Und mehr noch als sie haben, reinkriegen und hoffentlich behalten, wünsche ich ihnen, dass Sie das machen können was sie wollen. 🙂

    Feier schön.

  6. olga schreibt:

    Sehr geehrter Herr Rohm,

    seit geraumer Zeit lese ich ihren Blog, er gefällt mir, die Zigarette, der Kaffee, die Muse, die Kinder, die Inhalte, vive versa

    einen Gruß zum Geburtstag, auch wenn derselbige eigentlich gar nicht so wichtig ist

  7. olga schreibt:

    vice, vice, vice

    naturlemente

  8. guidorohm schreibt:

    Liebe Olga, schön, dass Sie sich in die Pathologie verirrt haben.

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