19. Juli 2010, Echtzeitliteratur, 5.44 Uhr

Kaffee, Zigarette.
Gauß ist wieder abgereist.
Die Wohnung ist kühl, fast schon friere ich ein wenig, was erstaunlich ist in Anbetracht der Hitze der letzten Tage, die nun doch merklich zurück gegangen ist. Seraphe ist bereits aufgestanden. Sie liest, was ich hier schreibe, greift nach einer dünnen Jacke und legt sie mir über die Schultern. Musen scheinen tatsächlich im Dauereinsatz zu sein; diese zumindest ist es. Denn schon scheppert es in der Küche, sie räumt die Spülmaschine aus, während ich ohne schlechtes Gewissen hier sitze und meinen Eintrag für die Pathologie dieses Tages tippe. Sie räuspert sich, eine leichte Erkältung liegt in der Luft. Wie nennt man so etwas? Echtzeitschreiben? Schon rührt sie mit dem Löffel ihren Cappuccino …

Der gestrige Tag war eine Mischung aus Dämmern und Schreiben; die meiste Zeit über las ich wieder in Benjamin SteinsLeinwand“, nicht ohne an den Punkt und Satz zu kommen, der mich derart entflammte, dass ich aufsprang, um ihm eine Mail zu schreiben, in die ich meine Begeisterung packen musste. Er schrieb mir, dass sich sein Stalker-Troll wohl auch schon in die Pathologie verirrt hätte, was nicht weiter schlimm ist, weil der Neid, den diese Leute ausschwitzen, von der Hitze des Erfolgs anderer stammt.

Seraphe sitzt in der Küche, schlürft ihren Cappuccino, der Kopf wird von ihrer rechten Hand abgestützt. Sie liest, ich kann im Moment nicht sagen worin, aber ein Roman wird es wohl sein.

Ich werde meinen Kaffee trinken, eine Zigarette rauchen und dann …

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