12. Juli 2010, Fahndung nach Pippi Langstrumpf, 5.53 Uhr

Kaffee, Zigarette, die Fenster offen, die Türen offen, die Fahndung nach einem kühlen Wind läuft auf vollen Hochtouren. Apropos Fahndung: Ludger Menke veröffentliche gestern beim Krimiblog eine hervorragende Besprechung von „Blut ist ein Fluss“, die sich nicht nur der Realismus-Debatte innerhalb der Kritikerkaste annahm, sondern auch mein wahres Ich ans Tageslicht zerrte, indem er mich demaskierte und als Pippi Langstrumpf bezeichnete. Woher der Mann das schon wieder weiß? Überhaupt geht er recht in die Vollen und das gefällt mir schon außerordentlich gut, zumal er sich da gleich mit einigen Gruppierungen anlegt.

Die Fußballweltmeisterschaft ist also vorüber, ich vergehe in Trauer, weiß ich doch nun überhaupt nichts mehr mit mir anzufangen, aber im größten Notfall werde ich wieder mit dem Lesen anfangen, vielleicht auch etwas schreiben, Gott, ich muss es aussprechen, es kümmert mich nicht, weil mich Fußball noch nie gekümmert hat. (Allerdings soll man mit solchen Aussagen vorsichtig sein. Es soll ganze Steinigungskommandos dort draußen geben, die nach Fußballunwilligen fahnden.)

Löw soll also das Bundesverdienstkreuz bekommen, hm, lächerlich, wie wäre es mal mit einem der zahllosen Kleinverleger, die ihr gesamtes Vermögen in ihre Leidenschaft investieren, und ohne die die Literaturlandschaft ärmer wäre; aber darauf kommt ein Politiker nicht, weil er nun mal nach dem populistischen Weg fahndet, der ihm aber eh in den Blutbahnen hockt und dort auf sein Lebensrecht pocht.

Bei der Hitze werde ich mir wohl noch einen Tropenhelm zulegen, ich sehe mich bereits mit einer Machete durch die Wohnung stürmen, der Schweiß rinnt meinen Rücken hinab, ganze Sturzbäche aus Schweiß, in die sich tauchwütige Mückenschwärme stürzen könnten. Ein solches Wetter verspricht Aufregung, Abenteuer, wilder Tiere (in der Nacht verirrte sich tatsächlich ein Marienkäfer ins Zimmer, den Seraphe wagemutig in die Freiheit entließ, sie balancierte ihn auf der Kuppe ihres Zeigefingers, ganz nach alter Artistenart, so wie sie es einst beim Circus gelernt hatte, von dem sie aber behauptet, es sei kein Circus, sondern nur ihre Familie gewesen).

Ich werde langsam wach, die Fahndung nach dem Ich war erfolgreich. Ich werde jetzt in Ruhe meinen Kaffee trinken, eine Zigarette rauchen und dann …

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