Sanduhr

Das erste Sandkorn fällt:
Ich betrachte es wie einen Diamanten,
der sich auf der Spitze
meines Zeigefingers niederließ.

Das zweite Sandkorn fällt:
Ich packe es zum ersten Sandkorn,
wähne mich fortan
als einen reichen Menschen.

Das dritte Sandkorn fällt:
Ich denke, drei sind immer
einer zu viel, ich packe
den Überfluss in meine Tasche.

Das vierte Sandkorn fällt:
Ich sehe ihm – fast schon gelangweilt –
beim Sinkflug zu, stelle meinen
linken Fuß darauf ab und verschweige es.

Das fünfte Sandkorn fällt:
Ich beachte es nicht einmal mehr,
es fällt neben meinen linken Fuß,
bleibt dort regungslos liegen.

Das sechste Sandkorn fällt:
Das nervt mich bereits, kenne ich doch
inzwischen Geschmack und Struktur,
drum knurre ich es an.

Das siebte Sandkorn fällt:
Ich ziehe mich in meine Rundung
des Glases zurück, missachte
die sandigen Fallschirmspringer.

Das achte, neunte, zehnte Sandkorn fällt:
Da rieseln weitere ins Tief, ich kann sie
längst nicht mehr zählen. Ich schließe
meine Augen, ich stelle mir Schneeflocken vor.

Die erste Schneeflocke fällt:
Ich betrachte sie wie einen Diamanten,
der sich auf der Spitze
meines Zeigefingers niederließ.

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