9. Juli 2010, Besuch von Narziss, 18.10 Uhr

Cappuccino, Zigarette.
Seraphe, die hin und wieder bei Facebook „Freundschaften“ für mich erfragt, bescherte mir heute einen narzisstischen Dichterjüngling (ich habe keine Ahnung, ob er eine besonders geschwungene Locke trägt, die sich korkenzieherhaft über die Stirn legt, aber ich stelle ihn mir so vor), der sich mir über die Nachrichtenfunktion als Freund von Blablabla vorstellte. Er wollte wohl den Eindruck vermitteln, Blablabla sei eine ENORM wichtige Persönlichkeit, und da er ihn kenne, sei er natürlich ebenso ENORM wichtig. Das kann schon sein, aber leider kenne ich von ihm benannten Blablabla überhaupt nicht, und man muss ihn wohl auch nicht kennen.
Narziss, ich will ihn der Einfachheit halber so taufen, wirkte so hip, so sehr von sich überzeugt, dass einem angst und bange werden konnte.
Aber weiter …
Er wünschte sich von mir eine Rezension zu einem Buch, das natürlich auch als ENORM wichtig einzustufen sei; ich schlug die Anfrage aus, schon tropfte die nächste Nachricht in meinen Schoß, dieses Mal mit der Frage, warum ich ihn überhaupt um seine Freundschaft gebeten hätte. Außerdem würde ich hier ein Jahrhundertbuch verpassen. Nachdem ich mir im Netz einige Gedichte angesehen habe, kann ich das nicht bestätigen, vielmehr scheint es sich um ein Stundenbuch zu handeln. Aber das ist ja auch schon etwas.
Nun denn …
Die „Freundschaft“ ist gekündigt. (So rasch geht dies heutzutage.) Ich kann Narziss nur noch eine gute Reise – in seine sicherlich gesegnete Zukunft – wünschen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Pathologie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.