7. Juli 2010, Die Kunst des Attentats, 5.43 Uhr

Kaffee, Zigarette.
Herrlich geschlafen, tief, völlig abwesend, keine Zwischenstopps auf der Toilette oder einer erträumten Landstraße eingelegt, die von bleichen Gestalten gesäumt wird, wie mir dies erst vor einigen Nächten wiederfuhr, sondern einfach nur der totale Schlaf.
Seraphe ist auch schon auf, sie läuft lachend weiter, mir einen Kuss auf den Mund drückend, ein Buch in der Hand, um sich in der Küche einen Cappuccino zu bereiten.
Schrieb gestern neun Seiten, die sich mit Leben und Werk des großartigen Philip Kleeberg beschäftigen, neun Seiten, wie im Rausch; ich korrigiere nie, es gilt immer die erste Fassung, die ich dann, sollte sie etwas taugen, mit Seeling überarbeite. Sagte dies mal gegenüber einer Zeitung: Ich bin ein literarischer Attentäter.
Ich lege mir auch keine Pläne im Kopf zurecht, deshalb könnte ich auch nie Romane mit einem überbordenden Personal schreiben. Ich würde die Lust verlieren, wenn ich beginnen müsste, mir Graphiken an die Wände zu hängen.
Simenon schrieb an seinen Romanen nie länger als 14 Tage, weil ihn – da er sich völlig in seine Personen versetzte – das Schreiben sonst überanstrengt hätte. Ein weiterer Literaturattentäter. (Und was für ein großartiger, der nun wirklich zum Teil brillante Romane hinterlassen hat.)
Ich bin ein wenig erkältet, die Nase läuft, ich schnäuze sie mir, in der Küche höre ich Seraphe, die sich mir anschließt. Ein merkwürdig krummes Nasenkonzert für vier Nasenflügel. Vielleicht gehen wir damit demnächst auf Tournee.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Pathologie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.