23. Juni 2010, Zur Bändigung von Texten, 5.58 Uhr

Morgenkaffee. Zigarette.
Ich schlief gut, tief und ruhig.
Pläne des Tages: Werde gegen Mittag eine Besprechung zu Jane Campions Film „Das Piano“ in der Pathologie veröffentlichen. Außerdem werde ich am Roman arbeiten.
Erhielt eine nette und erfreuliche Mail, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.
Schrieb gestern ein kleines Prosagedicht mit dem Titel „Schönheit“. Eigentlich sollte es eine Miniatur werden, aber wie das manchmal mit der Literatur so ist: der Text entkam mir, wollte sich nicht beugen lassen, und erst als ich ihm versprach ein verfluchtes Prosagedicht zu werden, also eine komprimierte Kurzgeschichte, senkte er den Kopf und ließ sich nach Hause führen. Es ist nicht so einfach mit dem Schreiben, macht aber immer wieder Spaß, ist Sucht und Droge. Ich kann jene Autoren, die das Schreiben als Qual betrachten, nicht verstehen. Sie können ihrem Schicksal mit einem einfachen Trick entkommen: Nicht mehr schreiben!
Überhaupt ist es interessant zu erfahren, auf welch unterschiedliche Arten und Weisen Autoren arbeiten. Ich gehöre mehr der Dick-Schule an, dessen „Schüler“ sich von den Worten treiben lassen. Ich bin meist selbst erstaunt, was da am Ende so alles aus dem Kopf aufs Papier fällt. Bei Romanen schreibe ich meistens an sieben bis acht Anfängen (die in etwa 50 bis 80 Seiten ausmachen), um schlussendlich einen Anfang zu entdecken, der es Wert ist, zu einem Ende geführt zu werden. Jetzt ist natürlich die Frage, wer hier wen bändigt. In meinem Fall fangen wohl die Texte mich ein. Es gibt schlechtere Jäger. Also lasse ich es mir gefallen. Zumal ich ein Wesen bin, das gerne in Gefangenschaft lebt. Ich blühe in der richtigen Gefangenschaft geradezu auf. Ich denke, Seraphe wird sich über diesen Satz besonders freuen.
Jetzt noch eine Zigarette. Dann ab ins Literarische Fundbüro.

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