Philips (2)

Philips verlor seinen Glauben an Gott an einem Dienstag.
Philips drückte sich die Brille zurück auf die Nase. Hob den Kopf. Senkte ihn wieder. Er würde das nie schaffen.
„Bereit?“, fragte der Sportlehrer.
Philips nickte.
Die anderen Jungs standen in Reih und Glied und beobachteten ihn. Er blickte wieder zu dem Tau. Sah aus, als würde es direkt in den Himmel hinauf führen.
Philips versuchte seinen Körper zu spüren. Spannte seine Muskeln an. Wünschte sich in sein Bett, mit einem Buch in der Hand. Aber dieser Wunsch würde sich nicht erfüllen. Er stand hier. Spürte den Hass der anderen Jungs im Rücken. Er sollte an diesem verfluchten Tau nach oben klettern. Vielleicht würde es ihm mit Phantasie gelingen. Vielleicht führte es tatsächlich direkt in den Himmel. Und wenn er nur die Kraft aufbrachte, dann könnte er Gott …
Der Sportlehrer schlug ihm auf die Schulter. Er brach sie ihm beinahe.
Philips umklammerte das Tau mit der rechten Hand, dann mit der linken Hand. Holte Luft. Stieß sich ab. Und dann?
Er schloss die Augen. Die anderen Jungs lachten laut und schrill.
Da oben gibt es eh nichts, dachte Philips. Nichts. Es gibt keinen Gott. Keinen Himmel. Ich habe nichts verpasst.
Der Lehrer schüttelte den Kopf. Schickte ihn ans Ende der Schlange.
Hier stehen wir Ungläubigen immer, dachte Philips. Er sah auf den Boden. Kämpfte gegen seine Tränen an. Verlor.

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