21. Juni, Die Facetten der Gewalt, 5.45 Uhr

Kaffee. Zigarette.
Die Kinder sind fort. Ruhe durchströmt die Wohnung. Die Erbsenprinzessin und die zwei Prinzen befinden sich wieder auf der Burg ihrer Mutter in Dunkelland.
Seraphe kränkelt. Sie schläft noch, während draußen einzelne Vögel den Tag begrüßen wollen, der sich ängstlich hinter dunklen Regenwolken versteckt hält.
Ich schlief unruhig, gefangen in einem Netz aus mysteriösen Traumbildern, die mir in diesem Augenblick schon nichts mehr sagen, sondern nur noch wie eine Nachwehe wirken. Wälzte mich fleißig von einer Seite zur anderen, immer auf der Flucht vor den eigenen Träumen; vielleicht aber auch, weil mir mein Magen wieder einmal zu schaffen machte.
Nach einem unseligen Film, den ich hier namentlich erst gar nicht erwähnen will, legten wir uns gestern Abend ins Bett, Seraphe fröstelnd, und ich noch in einem Interview mit Brian Aldiss schmökernd.
Ansonsten lese ich Jack Ketchum. Aufgeregt blätternd wie ein Windstoß. Wirbele momentan seinen Roman „Evil“ auf, der im Original einen weitaus weniger reißerischen Titel hat, nämlich „The girl next door“. Stephen King vergleicht ihn im Vorwort mit Jim Thompson. Das ist schon etwas dran, weil er – ähnlich wie Thompson – ein wichtiger und großer Autor ist, den die Verlage aber nur über eine gewisse Schublade verkaufen können (oder wollen). Ketchum zeigt in „Evil“, psychologisch sehr fein gesponnen, die Facetten der Gewalt auf. Ich werde mir also noch weitere Romane des Autors kaufen. Was heißt hier „weitere“? Natürlich alle.
Jetzt rasch noch Kaffee. Zigaretten. Ich muss mir eine Stange kaufen. Dann duschen. Und ab ins Literarische Fundbüro.

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