21. Juni 2010, Über das Handwerk der Sprache – Ein Dialog mit Martin Compart, 18.55 Uhr

Cappuccino. Zigarette.
Querflötenunterricht. In meinem Rücken versuchen sich drei junge Damen an ihren Querflöten, versuchen sie, aber leider lassen sich die Instrumente nicht verführen. Sie bleiben hart, wollen sich einfach nicht die gewünschten Töne entlocken lassen. Wer hat nun mit wem erbarmen? Das Mädchen mit der Flöte? Die Flöte mit dem Mädchen? Noch kämpfen sie gegeneinander. Wir werden sehen, wer den Sieg davon trägt.
Las heute mit fiebriger Anstrengung in Ketchums „Evil“, in diesem überwältigenden Werk, das mich körperlich erschöpfte. Weltliteratur. Ketchum müsste sich damit eigentlich und zweifellos in die Reihen großer amerikanischer Autoren einreihen, aber leider wird es nicht so kommen, weil da schon die Kulturpolizei an den Eingängen steht und wacht.
„Du kommst hier nicht rein!“
Man kann es regelrecht hören.
Martin Compart schrieb. Ich schrieb zurück. Es ging um Literatur und Handwerk. Wir führten unsere Ansichten ins Feld, die vielleicht gar nicht so verschieden sind.

Martin Compart

Hier ein Auszug aus meiner Mail an ihn:

„Handwerk ist gut und wichtig, aber allein mit Handwerk wurde noch kein guter Roman geschrieben. Bei Lewis „Schwere Körperverletzung“ ist mir dieses Abschleifen der Sprache besonders positiv aufgefallen, dieses: Sätze bis auf den Kern abschleifen. Und trotzdem ist er nicht nur Handwerker, sondern vor allem ein talentierter Autor, der intuitiv (das glaube ich zumindest) einen Roman erschaffen konnte. Handwerk war nur das unbedingte Handwerk.
Deutsche Autoren beherrschen gewisse Soundeigenheiten selten. Da stimme ich dir allerdings zu.
Ich lese momentan Ketchum. Habe ihn gerade erst entdeckt. Großartig! Packend geschrieben. Er kann sich voll und ganz in seine Charaktere einfinden. Und Handwerk allein reicht da einfach nicht.“

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