18. Juni 2010, Über Gott, Hirn, Hippies, Kausalität, Literatur und Relativismus, 5.58 Uhr

Ich schlürfe meinen Kaffee, während meine Gedanken abschweifen, hin zu den Helden meiner Jugend: Asimov, Lem, Disch, Bester.
Las ein (altes, sehr altes) Interview mit Robert Sheckley. Er sprach – sich den Oberlippenbart zupfend – über Gott, Hirn, Hippies, Kausalität, Literatur und Relativismus, der, so seine Meinung, unabdingbar für den Schriftsteller sei, wenn er „gerecht“ jede Rolle seines literarischen Personals spielen möchte. Recht, recht, dachte ich. Las ähnliches unlängst bei Philip Roth. Natürlich – und ohne dies auch nur annähernd in Frage zu stellen – muss ein Autor bereit sein, unter die Häute von Liebhabern, Vätern, Vergewaltigern, Killern, Müttern zu schlüpfen und zu steigen, auch wenn er sich in den Tiefen dieser fremden Persönlichkeitsbergwerke verlaufen sollte. Um zu überleben, hat man sein literarisches Reisegepäck. Aber man muss zunächst einmal bereit sein, diese Reise anzutreten.
Ich bestellte mir bei Amazon ein neues Buch: Jack Ketchum, Evil. Der Mann hat mir gut gefallen, ein rasant schreibender Autor.
Sheckley sprach auch über den Zwiespalt von Pulp und akademischer Literatur. Er fühlte sich immer beiden Richtungen angehörig. Konnte sich nicht entscheiden. Wollte es irgendwann auch gar nicht mehr. Das sind gute Voraussetzungen. Die besten Voraussetzungen. Denn es ist doch interessant, sich ein Genre wie den Kriminalroman vorzuknöpfen, um dann stilistisch wie gedanklich dieses Genre zu unterlaufen und neu auszuloten. Godard tat das mit „Außer Atem“ auf exemplarische Art und Weise. Überhaupt wird es über Godard noch mehr zu schreiben geben.
Muss heute für einige Stunden ins Literarische Fundbüro. Am Nachmittag wollen Seraphe und ich uns das Fußballspiel ansehen.
Trinke jetzt meinen Kaffee, dann noch eine oder zwei Zigaretten, dann werde ich diesen Tagebucheintrag in die Pathologie stellen. Duschen. Und ab.

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