15. Juni 2010, Über die Bösartigkeit des Banalen, 5.55 Uhr

Und täglich grüßt das Murmeltier, denn genau darum geht es ja auch bei einem solchen Tagebuch: Sich der Wiederholungen und scheinbaren Banalitäten gewiss zu werden, die das eigene Leben erfüllen.
Drum folge ich meinem Morgen. Etwa sieben Zentimeter neben meiner linken Hand steht der Kaffeebecher, daneben eine Packung Tempotaschentücher, weil ich die ersten Minuten des neuen Tages niesend beginne, und dies, nachdem ich mich zombiehaft – mit verquollenen Augen – zum Computer geschleppt habe. Ich schalte ihn ein, schlurfe in die Küche, lasse den Kaffee durchlaufen, während ich auf dem Balkon den Himmel – mit einer Zigarette in der Hand – begutachte.
Dann setzte ich mich vor den Bildschirm, klicke altbekannte Seiten im Netz durch. Ich tauche langsam an die Oberfläche des Lebens, überdenke die letzte Nacht, die vorhandenen oder nicht vorhandenen Träume, und beginne dann zu schreiben.
Schreiben, immer wieder schreiben. Schreiben aus Lust, als Sucht, als Beweis der eigenen Existenz, als Hinterlassenschaft.
Man liest das Geschriebene. Ist unzufrieden, zufrieden. Darf man so etwas überhaupt in die Weiten der Welt stoßen? Verkümmert es ungelesen? Ist das nicht egal?
Schreiben, schreiben, immer wieder schreiben, einfach nur schreiben, weil es Lust, Sucht, Trug ist. Dann den Punkt setzen. Heute setzte ich ihn hier.

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