Louis Gordon

Louis Gordon war ein Hund. Zog schnüffelnd, sein Bein hebend, durch die Bars. Pinkelte jeden an, der ihm nicht gefiel. Und ihm gefiel selten jemand. Soll an die Tische gewankt sein. Wie ein Seemann bei schwerem Seegang. Verkaufte seine Gedichte für einen Drink. Eine langhaarige Gestalt, die sich mit dem Ärmel den Rotz von der Nase wischte. Tappte nach draußen in den Regen. Vorüber an verlassenen Backsteinbauten. Bar für Bar. Sein Tagesgeschäft war der Schlaf. Sein Nachtgeschäft war der Suff. Dazwischen schrieb er Gedichte. Hart. Lakonisch. Ohne Mitleid für den eigenen Blick. Pflückte Augenblicke und warf sie auf den Anhänger seines buckligen Lebens. Wankte von Motel zu Motel. Immer auf der Flucht. Immer unterwegs. Er soll sogar in einen Mord verwickelt gewesen sein. Wurde verhaftet. Saß ein. Kam wieder raus. Soff. Schrieb. Stolperte von Schlägerei zu Schlägerei. Schlug dem Leben und den Frauen ins Gesicht. Ein Verlierer. Einer, der an Frauenröcken hing, und sich für Geld an sabbernde alte Geschäftsleute verkaufte. Ein Mozart des Ghettos. Einer, der sich aufs Untergehen verstand. Einer, der dem Dasein die Zunge zeigte. Spritzte sich Heroin. Und verschwand. Was blieb, sind seine Gedichte. Schmutzige, laute, leise, traurige, schreiende Gedichte.

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