11. Juni 2010, Schauerromane, 18.51 Uhr

Waren bei M. Tranken Kaffee, aßen Kuchen. Saßen unter den dicken Ästen einer alten Baumhoheit (die sich aus dem „Herr der Ringe“ dorthin verirrt haben könnte), den Blick auf eine alte Ziegelmauer gerichtet, die in ihrer trostlosen Schäbigkeit an Londoner Hinterhöfe erinnerte. Bewunderten den Nachwuchs, der in seine Arme und Beine vernarrt, beständig an diesen kaute. Einige Zigaretten, einige Lacher später, verabschiedeten wir uns. Ich fühlte mich gut, locker, fast zu locker.
Las heute hundert Seiten Joe Hill. Blind. So der deutsche Titel des Romans. Liest sich gut und flüssig. Die Amerikaner verstehen sich darauf, Leser einzubinden, zu fangen, sie aufzusaugen. Ihre Atmosphären binden ein, weil sie den Leser nicht mit der Sprache aussperren, sondern sehr emotional damit arbeiten. Das sind Kunstkniffe, die ich schätze, und denen man in diesem Land oft mit Argwohn begegnet.
Dachte in diesem Zug über den Schauerroman insgesamt nach. Erinnerte mich meiner Lektüre von Sheridan Le Fanus „Onkel Silas“, an jenen weit entfernten fiebrig verlesenen Sommernachmittag …
Christie, immer wieder Christie. Am Ende werde ich mich an seine Person wagen. Wagen müssen, weil er mir doch eh keine Ruhe gibt, bis mich an ihm versucht habe.
Werden heute noch grillen.
Ach, und bevor ich es vergesse: Die Fußball-WM hat begonnen.

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