Alte Haut

Er sitzt die meiste Zeit
des Tages
an einem alten Holztisch.
Fährt mit seiner Hand
über die Maserung.
Durchstöbert mit seinem Blick
die Kratzer.
Die ganzen Unebenheiten
machen ihn
verrückt.
Er ist alleine.

Er zieht in der Dunkelheit los.
Fährt einen verbeulten Wagen.
Er hat die Nachtschicht
im Altenheim.
Er kratzt sich unter den Achseln.
Er kann sich schon lange
nicht mehr riechen.

Er stolpert durch die Flure.
Wacht über den Schlaf der Alten.
Manche leuchtet er mit
seiner Taschenlampe ab.
Er zieht die Bettdecken
und Nachthemden zurück.
Beobachtet ihre Haut,
die ihn an seinen Tisch
erinnert,
und an sein Leben.

Und manchmal setzt
er sich an den Rand eines
Bettes und fängt an
zu weinen.

Wenn einer von den Alten
wach wird,
packt er sich ein Kissen
und spielt Schicksal.

Später fährt er nach Hause,
setzt sich an seinen Tisch
und streichelt sanft mit
seiner Hand über die Unebenheiten,
die ihn an
alte Haut erinnern.

Er hebt den Kopf
und späht durch das Fenster
in die Nacht hinaus.

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