10. Juni 2010, Etwas über Thalia, 5.57 Uhr

Bekomme die Lider kaum auf. Schlief ausgezeichnet, und nun hocke ich vor meiner Tastatur, die Augen wieder einmal zugeschwollen und stochere auf den Buchstaben herum. Aus der Küche ist das asthmatische Röcheln der Kaffeemaschine zu hören. Ich habe meine erste Zigarette bereits auf dem Balkon geraucht, eng an die Scheibe gepresst, weil die Kacheln nass vom nächtlichen Regen sind und ich das Wasser nicht in die Wohnung schleppen möchte. Seraphe und das Kind schlafen noch, während ich hier sitze, Stifte und Bücher um mich verteilt, und nach den Worten suche, die mit mir und meinem Leben tatsächlich zu tun haben.
Im Posteingang befanden sich nur die gewohnten Mails. Einladungen, die über Facebook versandt wurden. Weiter nichts. Ich schrieb unlängst wegen eines Projekts die hiesige Thalia-Buchhandlung an. Ein Bekannter, der dort arbeitet, fühlte bereits wegen dieses Projekts vor. Die Chefin äußerte sich mit den Worten: „Ich bin für alles offen, wenn es nur kein Geld kostet.“ Interessante Herangehensweise für eine Kette mit diesen Umsätzen. Aber genau deshalb werden sie auch diese Umsätze vorzuweisen haben. Um sich dort als „Buch der Woche“ zu präsentieren, muss man schon einiges an Geld auf die Verkaufstheke knallen. Ein seltsamer Laden, der sich schon merkwürdig bei meiner Lesung mit Alban Herbst anstellte, übernahm Thalia doch den Büchertisch, den es dann zu Beginn der Veranstaltung überhaupt nicht gab. Sie hatten schlicht keine Bücher geordert. Herbst brachte seine eigenen mit, die sie dann verkauften. Mein Verleger brachte ebenfalls meine Bücher mit, die sie dann nicht mal verkauften, weil sie sich wohl unsicher waren, ob sie auch wirklich den Gewinn kassieren würden. Aber leider, leider kommt man heutzutage als Autor an all diesen Buchketten nicht vorbei. Man muss sich schon glücklich schätzen, wenn man bei einem zahlungskräftigen Verlag ist, der einen dort in Masse auf den Tischen verteilt.
Ähnlich wie Thalia scheinen mir aber auch die großen Zeitungen zu funktionieren, die erst mal die bekannten Verlage besprechen, eben jene, die auch bei Ihnen Anzeigen schalten.
Es ist eben so, und man muss lernen, damit zu leben.
Von Fichtinger habe ich auch noch keine Antwort erhalten. Hatte ihm einen Vorschlag unterbreitet, aber ich will mal davon ausgehen, das er noch darüber nachdenkt.
Ich las gestern Abend ein paar Seiten von Walter Mosleys „Rache an Johnny Fry“. Gefiel mir nicht besonders. Seltsamer Aufbau des Romans.
Werde jetzt meinen Kaffee trinken. Noch eine Zigarette rauchen. Dann in die Dusche und ab ins Literarische Fundbüro.

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