8. Juni 2010, Der kleine Bruder des Todes, 5.42 Uhr

Rauchte meine erste Zigarette auf dem Balkon. Die meisten meiner Nachbarn schlafen noch.
Ging gestern früh zu Bett, griff mir den „Dorian“ von Will Self. Las irgendwann Kurzgeschichten von ihm, die mir, so meine Erinnerung, gut gefielen. Mit dem „Dorian“ konnte ich, vielleicht auch wegen der Erschöpfung, die mich plötzlich anfiel, nichts anfangen. Die Sprache ist zu manieriert, zu geschraubt. Man sollte sich nicht lange mit Büchern aufhalten, die einen eh nur in den Schlaf befördern. Dafür ist das Leben zu kurz. Höchstens man benutzt sie bewusst als Einschlafhilfe. Der Schlaf. Der kleine Bruder des Todes.
Sprach gerade gestern mit Herbert über den Tod, weil eine liebe Mitarbeiterin des Literarischen Fundbüros dem Tod in die Augen starren muss. Ein Wegblicken gibt es für sie nicht mehr. Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium. Natürlich fehlen einem die Worte. Man kann sich nicht in eine solche Person versetzen, schon einmal gar nicht, wenn man sie kennt. Da ist die Barriere zu hoch, auch für den Autor.

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