Archiv für die Kategorie ‘Die Irrfahrten des Otto Seuse’

Möbiusschleife

12. Juni 2012

Um den Roman “Aus der Pathologie” weiterlesen zu können, müssen Sie HIER beginnen!

Retten

21. April 2011

Retten, was zu retten ist.
Ein Gebet für den Tag.
Seuse sitzt unruhig auf dem Sofa. Wartet auf etwas, das nicht eintritt.
Das größte Hindernis versteckt sich im Keller von Reaktor 2.
In den Keller müsste er auch wieder einmal.
Seuse hat geschrieben.
Er hat geniest.
Er hat den Tag um die Ecke gebracht. Dort liegt er nun. Verkrümmt.
Traumwetter für die Eiersuche.
Ach ja, denkt Seuse, Ostern steht ja auch vor der Tür.
Dank sei Jesus Christus.
In Ewigkeit.
Amen!

Mit

24. März 2011

Mit Taschenlampen gegen den GAU.
Seuses Körper schmerzt. So ein Körper kann sterben. Das macht ihn nervös.
Beben und Flut.
Der Vogelkäfig. Darüber ein Tuch. Darunter der Vogel, der sich bemerkbar macht. Seuse stellt sich dumm.
In der Pathologie werden noch Kisten von einer Wand zur anderen Wand geräumt.
Nerviger Nachbar.
Die Halbgöttliche.
Liz Taylor ist tot.
Lieferung um Lieferung kommt in der Pathologie an. Die Toten kennen keinen Urlaub, keine Sonntage.
Beim Sterben wird nicht verschnauft.
Spaziergänger findet Leichen von Vater und Sohn.
Seuse winkt ab. Er schlürft seinen Kaffee. An den Roman muss er auch noch.
Er horcht auf. Vogelgezwitscher.
Seuse denkt: Und die Natur gibt sich wieder einmal unbeeindruckt!

Die Weltunzufriedenheit

18. März 2011

Seuse.
Otto Seuse für jene, die ihn noch nicht kennen.
Schriftsteller.
Pathologe.
Weltinnenreisender.
Raucher.
Hungernder.
Ewig Morgiger.
Müdigkeitsverfallen.
In Ah verliebt.
Bis in alle Ewigkeit.
Amen.
Seuse ist verzweifelt.
Er ist mit sich unzufrieden.
Er hat sich den Krieg erklärt.
Seuse wandert mit schnellen Schritten durch die Nachrichtenhallen des Internet.
Gaddafi bremst die Bomber aus.
Augenzeugen berichten von weiteren Kämpfen.
Weg hier, denkt Seuse.
Er denkt an die Kanzlerin.
Bei den Buchstaben FDP muss er sich tatsächlich übergeben.
Er denkt an Ulrike Meinhof.
Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine.
Das war nicht Seuse.
Das war Ulrike.
Seuse schreit beim Waffenwetter dieser Tage auf.
Da soll man keine Schreikrämpfe bekommen.
Seuse beschließt: Ich werde gegen die Weltungerechtigkeit anschreiben.
Man muss ein Literaturterrorist werden.
Stabil am Abgrund.
Melodie der Zerstörung.
Kämpfen muss man, schreit Seuse.
Sich die Weltunzufriedenheit aus der Seele schreiben.
Sich frei schreiben.
Seuse.
Otto Seuse für jene, die ihn noch nicht kennen.

Arbeiter

16. März 2011

Arbeiter müssen Rettungsarbeiten im Reaktor abbrechen.
Seuses Körper schmerzt.

(Textteil wurde aufgrund der Bitte meines Freundes Alfred Harth entfernt)

Wind bläst radioaktive Wolke Richtung Tokio.
Seuse muss wieder und wieder in die Pathologie hinab. Die Toten stapeln sich bereits. Die Kisten, die unlängst geliefert wurden, müssen schon wieder umgeschichtet werden.
Kaltstadt!
Seuse denkt an seine Schule zurück. Ein System aus Schlägen und Erniedrigungen.
Fernsehen, einkaufen, Ruhe bewahren.
Bayern fliegt gegen Inter raus.
Der Angriff des Banalen gegen die Geschütze der Wirklichkeit.
Kinomaschine Europa.
Seuse humpelt von der Küche zu seinem Arbeitsplatz. Er sitzt im grellen Licht der Schreibtischlampe.
Königlicher Trödelmarkt.
Schlagzeilen schieben sich durch die Ruhezonen. Seuses Welt zerfließt in einem meditativen Akt des Welterlesens!
Buchstabenunglücke.
Ein T kollidiert mit einem K!
Im Land der Mahnbürger.

Windgetier

15. März 2011

Der Wind trägt des Todes unsichtbare Sporen. Sie reiten auf seinen auf- und absteigenden Wellen.
Seuse träumt unruhig von seinen Geschwistern. Seuse erwacht. Er reibt sich die Augen. Schwarz umringt. Seuse ist ein Einzelkind.
Sein Blick scheut vor der Sonne. Seuse hält sich die Hand vor den Mund.
Er probt den Spaßfall.
Radioaktive Strahlen wetteifern mit der Sonne.
Seuse sieht sich durch endlose Radiowellen schwimmen. Die Welt ist ihm ein unbewohnbarerer Ort geworden. Er stiefelt über totes Getier: Affen, Barbie, auch eine Nachbildung des unseligen Darth Vader befindet sich unter den Vergessenen.
Nur auf Menschen stößt er nicht. Also weckt er Ah. Sie sieht ihn verwundert an.
Sie müsse ihm bei seiner Erkundung beistehen, sagt Seuse.
Beistehen?
Ah schüttelt den Kopf. Sie dreht sich zur Seite. Sie dreht sich der stummen Wand zu.
Seuse zittert.
Seuse wittert den Untergang der menschlichen Zivilisation.
Diese Gattung wird schwinden!
Und dann erinnert sich Seuse an die Meldung über Aktienkurse, die hinab ins Bodenlose stürzen.
Die Welt ist kein poetisches Projekt. Die Welt ist eine Bankanlage.
Die Hyänen sind stets unterwegs.
Seuse erwartet das Tageslicht. Das Licht wird es an den Tag bringen. Regen, der den Himmel auswäscht, der die Felder des Todes auswringt.
Der Wind trägt die Sporen überschäumender Gedanken.

Regierung

12. März 2011

Regierung ruft für zweites AKW Notstand aus.
Seuse ist ganz verwirrt von den Schlagzeilen, die ihm wie Bäume auf den Kopf fallen. Er fühlt sich betäubt.
Seuse war zum Essen eingeladen. Da saß er dann. Mit dem Blick eines gewissen Napoleon im Rücken.
Bohrend!
Ungemütlich!
Nachbeben.
Japan.
Seuse war noch nie in Japan. Er war an so vielen Orten noch nicht.
New York. Dort war er.
Washington auch.
Seuse trinkt den Morgenkaffee. Er liest seine Mails. Alfred schrieb, weil er für Alfred einen Text gelesen hat.
Er hat Alfred geschrieben: Guter Text!
Seoul. Dort lebt Alfred.
Dort war Seuse noch nie.
Er weiß nicht einmal, ob er wirklich nach Südkorea möchte.
Er mag die gedankliche Enge der Provinz. Hier kann man sich die Freiheit noch erkämpfen.
Auf die Seite, du schäbiger kleiner Gedanke!
Eigentlich müsste heute eine Kurzgeschichte von ihm im Netz erscheinen.
Japans schwarzer Tag.
Seuse wird sich die Haare schneiden lassen.
Plötzlich ist Angst da!

Seusetag

11. März 2011

Polizei findet, das Kind liest dem Vogel aus einem Kinderbuch vor, während Seuse schreibt, die Wörter, die sich aus seinen Fingern in die Tastatur ergießen, im Blick, der Vogel landet auf seinem Kopf, der Kopf wird zum Kopfstand für den Vogel, der nun zu seinem Käfig hin fliegt, das Kind fährt fort zu lesen, Hunderte Leichen in Tsunami-Region, da wird gestorben, was das Zeug hält, Humankapital, sagen die Manager, Managerdialekt, Nazijargon, das Kind liest noch aus dem Kinderbuch, der Vogel dreht ein paar Runden, Japans schwarzer Tag im Minutenprotokoll, die Welt geht unter, man kann es im Live-Ticker verfolgen, die Welt geht munter unter, Angst in Bremen, Frust bei Pauli, das ist wieder ein Tag, denkt Seuse, das Kind liest von Lügen und von der letzten Woche, was war da anders, fragt sich Seuse, er denkt über sein Pseudonym nach, Guido Rohm, der Name hat was, hat nichts, hat Buchstaben, Schlittschuhläufer tot aus See geborgen, Seuse schnäuzt sich die Nase, Nasen wachsen, wenn man lügt, Einigkeit und Recht und Freiheit, der Vogel sitzt wieder im Käfig, dies war mein medialer Tag, schreibt Seuse und setzt den Punkt.

Forderung

11. März 2011

Forderung nach Luftschlägen.
Seuse ist müde. Sein Rücken schmerzt.
Die Kisten in der Pathologie. Hunderte von Kisten, die er von Raum zu Raum schleppt.
Seine Hände gleichen einem Kriegsgebiet.
Schreiberhände. Er muss wieder hinaus in seinen Schreibergarten. Die Sprache muss gedüngt werden.
Seuse kratzt sich am Kopf. Er stiefelt mit den Kriegerhänden in den Schreibergarten hinaus.
Guttenberg meldet sich ab. Der Große Zapfenstreich.
Es klingelt. Seuse fragt über die Sprechanlage nach. Niemand zu hören.
Der Große Kinderstreich.
Vegetarier-Paar darf kein Kind adoptieren.
Seuse blickt in die Pathologie.
Er wird jetzt die Novelle überarbeiten.
Dann steigt er hinab.
Chaos.
Ein Wort will dem anderen Wort auf den Rücken springen. Die Worte sollen sich befruchten. Sie sollen sich gegenseitig tragen.
Da muss ein ganz neuer Text entstehen!
Zugegeben: Seuse ist müde! Er ist verwirrt.
Heidi Klum!
Die hat er im Fernsehen gesehen. Nicht in seinem Schreibergarten. Dort traf er auf eine gewisse Sonja Katzenhof.
Seuse sprach mit ihr. Lange.
Seuse wird die Worte umschichten. Er wird sie von Raum schleifen. Er wird die Worte neu arrangieren.

22

9. März 2011

22 Sekunden Gräuel.
Gestern stieg Seuse in die Pathologie hinab. Er trug einen Kittel. Er stapelte Kisten. Unzählige Kisten, die unlängst an die Pathologie geliefert wurden. Nun verdecken die Kisten eine ganze Wand.
Kasse machen mit dem Selbstzerstörer.
Sheen. Sheen. Sheen.
A. wirft ihm einen Handkuss zu. Sie sagt: Tschüss!
Seuse schreckt aus seinen Schreibgedanken auf.
Was, fragt er.
A. lächelt und schlendert ins Badezimmer.
Seuse denkt an die Kisten. Er wird sie heute in einen anderen Raum bringen.
Die Kisten müssen in Bewegung bleiben.
Der Weltfrauentag ist vorüber.
Heute ist Weltwaffentag.
Weltsprengstofftag.
Der Amerikaner.
Seuse und A. haben sich einen Film mit George C. angesehen. Ein stiller Film.
Merkwürdig leise.
Leiche in der Spree.
Ehemann wegen Totschlags vor Gericht.
Seuse denkt an die Kisten.
Sisyphos.
Der Vogel in seinem Rücken scheint noch zu schlafen. Er rührt sich nicht.
Tot?
A. duscht.
Das Kind schläft.
Ein letzter Schluck vom Kaffee, dann wird sich Seuse wieder um die Kisten kümmern.


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