Archiv für Mai 2011

Cover “Blutschneise”

30. Mai 2011

Und hier schon mal vorab das Cover meines Romans “Blutschneise”, der im Oktober beim Seeling-Verlag erscheinen wird.

HERBSTPROGRAMM DER KULTURMASCHINEN 2011

30. Mai 2011

Hier kann man sich das Programm des Kulturmaschinen-Verlags ansehen, bei denen im Oktober 2011 mein Erzählband “Die Sorgen der Killer” erscheinen wird.

Marilyn Monroe liest Ulysses (1952)

29. Mai 2011

Gefunden bei Getidan!

Leben und Meinungen des Guido Rohm (1)

28. Mai 2011

23. Mai 2011

Blut im Stuhl. Auf der Suche nach der Quelle. Darmspiegelung. Vorgespräch erfolgte in der letzten Woche. Ich legte Wert auf eine Kurznarkose.
Den Morgen mit einem schrecklich süßen Trunk eingeläutet. Darmentleerung.
Sitzen. Aufs Klo rennen.
Dann gehen die Seraphe und ich einkaufen. Der Hunger bestimmt mein Denken.
Hin zum Arzt. Warten. Termin: 11.15 Uhr. Um 12.00 Uhr rufen sie mich auf.
Ich sage zur Helferin: “Sie wissen ja, ich möchte nichts davon mitbekommen. Ich will eine Kurznarkose.”
Sie: “Sagen Sie das dem Arzt.”
Hm. Hab es ja bereits mehrmals zum Ausdruck gebracht.
Der Arzt erscheint. Die Party kann steigen.
Und natürlich bekomme ich die erhoffte Kurznarkose nicht verpasst, dafür aber den über einen Meter langen Schlauch.
“Geht doch, Herr Rohm, oder?”
“Scheiße, nein!”
Sie verabreichen mir ein Beruhigungsmittel.

24. Mai 2011

Die Darmspiegelung hat zu keinem beunruhigenden Ergebnis geführt. Fühl mich gut. Schreibe am Roman.
Abends: “Carlos” ausgeliehen. Der Film geht drei Stunden. Die erste Hälfte angesehen.
Nachts schlecht geschlafen, was nicht am Film lag. Oder etwa doch?

25. Mai 2011

Alter Rechner abgebaut. Ein Freund will mir den vor einiger Zeit neu erworbenen Rechner einrichten.
Geburtstagsfeier bei der Seraphe-Schwester Gina. Gegrilltes. Ein Hefeweizen. Die Sonne genießen. Rauchen. Unsinn reden. Das Leben kann schön sein, vor allem wenn man sich einmal seines Ehrgeizes entledigen darf. Ferien vom Ich.

26. Mai 2011

Ohne Internet. Zittrige Hände. Schweiß auf der Stirn. Mein fiebriger Blick strömt wie ein Giftgas in die Wohnung hinein.
Rasch mit dem Sternchen-Laptop die Mails abgerufen.

27. Mai 2011

Treffen der Sternchen-Schulklasse. Hin und rauchen. Zwischendurch ein Cappuccino. Dann ein Würstchen.
Wir können den neuen Rechner abholen. Endlich.
Heim und aufbauen.
Schlieren, die sich über den Bildschirm ziehen.
Die Grafikkarte neigt zur Exzentrik. Hm.
Aber ich bin zurück im Netz.

28. Mai 2011

Am Roman geschrieben.
Meine Jungs sind an diesem Wochenende bei mir.
Plötzlich die Idee, wieder ein stichwortartiges Tagebuch zu führen.
Werde es Runhard Sage als Kategorie bei Getidan vorschlagen.
Das Ganze soll einmal in der Woche online gehen.
Vielleicht immer sonntagabends unter dem Titel “Leben und Meinungen des Guido Rohm”.
Die ersten Einträge werde ich als Versuchsballon jetzt in der Pathologie steigen lassen.
Man sollte sich in all seinen Überlegungen stets vom Größenwahn leiten lassen.

Montag, 23. Mai 2011 – Care-Paket von A23H aus Korea

23. Mai 2011

THIS TIME THE ONE BLUE

Überlebensnotwendige Dinge, die mir mein Freund Alfie “I love Guido” Harth geschickt hat! Vielen DANK dafür!

In diesem Sommer

23. Mai 2011

Wir hätten doch nicht unsere Kamera aufgebaut, wenn wir geahnt hätten, dass hier nichts zu holen ist, keine Gesichter, keine Oberkörper, die raus und rein schweben, er, der hin zum Grill schlurft, denn im letzten Sommer war es so, nur in diesem Sommer ist es anders, da kann unsere Kamera nichts fangen, nur eine Taube, die auf dem Geländer wie ein grübelnder Napoleon marschiert, hin und her, die Leute, also dieses Paar, die müssen ausgezogen sein, wir schalten für Sekunden die Kamera aus und lehnen uns über das Geländer, sehen ihren blauen Van, erinnern uns, ein Kind haben sie ja auch, das sah man nur nie auf dem Balkon, vielleicht weil die Mutter Angst um das Kind hatte, sie müssen also noch dort wohnen, denn der Van, dieser blaue Van steht ja auch noch dort unten, aber sie sind in diesem Sommer nicht zu sehen, nicht zu filmen, der Tisch bleibt unter einer Plastikplane, wir machen uns so unsere Gedanken, vielleicht haben sie sich getrennt, vielleicht hat sich eine Krankheit in die Wohnung geschlichen und an ihn oder sie gehängt, aber wir können mit der Kamera keine Antwort auf dem Balkon finden, nur die Vögel sind zu filmen, die sich auf diesem Balkon sicher wie nie zuvor fühlen, bis plötzlich an einem Vormittag die Jalousie doch nach oben gezogen wird, die Vögel verjagt werden, ein Mann betritt den Balkon, das ist nicht der Mann, denn wir kannten, er baut den Grill auf, er geht hinein, er kommt wieder, er legt das Fleisch auf, die Frau erscheint ebenfalls auf der Nachbarschaftsbühne, sie küsst ihn schnell und doch zärtlich auf den Mund und verschwindet wieder in der Wohnungshöhle, ein anderer Mann also, oder doch nicht, wir sind uns nicht sicher, wir haben sie so lange nicht mehr gesehen, wir haben vergessen, ob sie das nun sind oder doch ganz andere Leute, die auch einen blauen Van besitzen und nun als Nachfolger die Wohnung gemietet haben, wir können es nicht entscheiden, es ist uns einerlei, wir können ihn beim Grillen filmen, die Kamera hat ihre Beute gefunden, alles ist gut.

Deine Frau geht fremd

21. Mai 2011

Stell dir das vor. Stell dir das so vor. Ein Zettel. Deine Frau geht fremd. Eine kurze Nachricht, hinterlassen auf einem kleinen Notizzettel, der hinter den Scheibenwischer geklemmt wurde. Die Worte springen dir sofort ins Auge und verhaken sich dort. Sie brauchen keinen Wurm, denn die Worte sind Haken und Wurm zugleich. Du schluckst die Worte. Du steigst in den Wagen. Du willst den Wagen starten. Nein! Was soll das heißen?

Die komplette Geschichte können Sie hier lesen!

Wahnsinnsjournal, Freitag, 20. Mai 2011. Die Abwesenheit des Toilettenpapiers. Außerdem diverse Arbeiten am Meisterwerk.

20. Mai 2011

Kaum ist meine Geliebte vor den Zug nach München gesprungen, muss ich mich auch schon wieder an die Arbeit am neuen Roman machen, den ich, werte Leserinnen und Leser, nach zahlreichen Recherchen im Kongo nun endgültig planen werde.
Noch suche ich nach einem Titel, befragte auch oft die Geliebte deshalb, die nun aber nicht mehr Rede, auch nicht Antwort stehen kann, zog sie es doch vor einen Zug. Nun denn, wie mein Vater stets zu sagen pflegte: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Mein Roman wird den Titel „Titten wie Eisberge“ oder auch „Des Kardinals letzte Lüge” tragen. So ganz habe ich mich da noch nicht entschieden.
Eben erst bemerkte ich den Notstand meines Kühlschranks, der nicht einmal mehr Frost aufzuweisen hat. Schon wollte ich die Geliebte rügen, bis mir einfiel … Aber lassen wir das jetzt!
Rasch also wieder an den Schreibtisch, um im Netz einige Runden zu kraulen. Ich traf im Informationsbecken auf eine gewisse Susi A. aus Koblenz, ihres Zeichens Mundartdichterin. Die Dame kam mir allerdings nicht ganz koscher vor. Ein Gedicht mit Gummi kostet 20 Euro. Ein Gedicht ohne Gummi 50 Euro. Ich wollte mich schon für einen Heine-Blow-Job mit Gummi entscheiden, als mir plötzlich in den Kopf schoss: Heine mit Gummi will ich nicht. Ich wimmelte betreffende Dame also ab und vertröstete sie auf die nächste Stunde. Dann hätte ich bestimmt eher Zeit.
Mit rotem Kopf wand ich mich wieder meinem Roman zu und überlegte und tippte nach einer bis zwei Stunden dann schließlich den ersten Buchstaben meines neuen Großwerks.
E lautet der Bursch, der zwar noch einsam im Dokument kauert, bald aber, da bin ich mir sicher, Besuch von einem i und einem m erhalten wird. Aber was soll EIM nur bedeuten? Dieses Rätsel sei den Lesern aufgetragen.
Ich bin kein voreiliger Schreiber. Ein Meisterwerk will in Ruhe und Bescheidenheit gezimmert werden.
Nach dem erschöpfenden Schöpfungsakt setzte ich mich aufs Dichterklo und schuf dort ein Lautgedicht.
Nun warte ich auf die Rückkehr der Geliebten. Ich tippe diese Zeilen in mein Notebook. Ich habe kein Toilettenpapier mehr. Ich schimpfe auf die Geliebte, bis mir einfällt …

Wichtiger Veranstaltungshinweis

19. Mai 2011

Der Schriftsteller Guido Rohm (Blut ist ein Fluss) wird sich am

23. Mai 2011
um 11.15 Uhr
in den Praxisräumen Dr. Günther
in Fulda

einer

D A R M S P I E G E L U N G

unterziehen.

Nach dem Erwachen aus der Kurznarkose wird der Autor Ihre Signierwünsche bereitwillig erfüllen.

Auf der Feier

15. Mai 2011

Und wenn dann der Alkohol in Strömen in die Körper und in die Köpfe und Seelen geflossen ist, und die Männer sich für unwiderstehliche Liebhaber halten, wenn sie Politiker bald an jenen Ast, bald an diesen Baum gehängt haben, wenn man Rassist und Barbar schon war und rotgesichtig Speichel über die Haare der Frauen fliegen ließ, weil man Magier ist, auch Fußballprofi, ein Fachmann für alle Fragen des Lebens eh, dann fängt plötzlich die Stimme des Sohnes an, sie überfällt den von Rauch gedämpften Raum, ein Außenstehender und ungeschulter Betrachter würde von einem Kitschüberfallkommando reden, die Stimme legt sich augenblicklich wie der Gesang der Sirenen über all die Gespräche, die nun versiegen, die Worte fallen zu Boden, man tritt sie wie Zigarettenstumpen aus, und in diesem Moment schalten wir die Kamera ein, wir fangen die Gesichter ein, die sich über die Lippen lecken, die Augen, die sich in einem unsichtbaren Loch in der Decke verirren, darin Kinder auf einen Fußballplatz stürmen, darin der Vater lächelt, die Mutter die Tochter zum Gespräch bittet, eben jene Mutter, die heute Abend nicht hier ist, weil sie längst an einem anderen Ort ist, von dem alle hier hoffen, dass es ihn tatsächlich gibt, die Stimme des Sohnes schwebt zur Decke hinauf, sie reißt weitere Löcher in die Decke, unsere Kamera fängt eine Frau, die verliebt wie seit Jahren nicht mehr zu ihrem Mann blickt, der erschrocken die Lider fallen lässt, der einen solchen Blick nicht erwidern kann, weil er zu schwach für eine solche Sekunde ist, der seine Augen begräbt, die Kamera schwenkt, sie spürt die entfernten Gedanken, die Gedanken, die sich in fernen Welten tummeln, für die drei Minuten des vom Sohnes gesungenes Liedes, um dann, als es schließlich endet, wieder in die Wirklichkeit zu fallen, mit lauten Stimmen und einem raschen Griff in die Bluse einer fremden Frau auf der Treppe, die hinunter zur Toilette führt, mit den Forderungen nach der Todesstrafe und dem Ruf nach einem neuen Führer, und wir und unsere Kamera können es so gar nicht glauben, dass es diesen einen Moment von drei Minuten tatsächlich gegeben haben soll, wir werden ihn uns immer und immer wieder ansehen, damit wir nicht vergessen, woraus der Mensch an solchen Abenden auch gemacht ist.


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