von Roman Polanski
Archiv für Januar 2011
Ekel
30. Januar 2011Wenn Bürger sich wehren
30. Januar 2011- Was issen? Haste auch ne Waffe?
- Ich werd ihnen den Baseballschläger über die Rübe ziehen.
- Nö, iss nix. Son Baseballschläger kann doch nichts ausrichten. Du musst ihnen schon eine Kugel verpassen können.
- Meinste?
- Mein ich nicht nur. Iss so. Ich hab schon n paar von den Jungs umgelegt.
- Gab doch noch gar keinen Grund.
- Gibt immer n Grund. Die klauen wie die Raben.
- Vielleicht weil se nix haben.
- Und? Hab auch nix. Deshalb zieh ich auch nicht los und plünder mir meinen Lebensunterhalt zusammen.
- Du hasten Geschäft.
- Da hab ich auch einiges für getan. Und zimperlich darfste nich sein. Dann haste verloren. Schwäche können die riechen.
- Da kommen welche.
- Iss ne Gruppe. Muss man mal abwarten.
- Hey, ihr da!
- Was willsten?
- Wollt euch nur mal meine Waffe zeigen.
- Sieht ziemlich alt aus.
- Kann aber noch richtig große Löcher in irgendwelche Typen machen.
- Was willsten damit sagen?
- Plünderer haben keine Chance.
- Sind keine Plünderer. Sind Spaziergänger. Nich wahr, Jungs?
- Ja, ja, sind nur aufem Abendspaziergang. Wird man doch noch machen dürfen, so n Abendspaziergang.
- Iss nix dagegen zu sagen, so lange ihr nicht auf dumme Ideen kommt.
- Hör mal, Alter …
- Junge, nenn mich lieber nicht Alter!
- Hören se ma, wir sind friedliebende Bürger.
- Das sagen se alle über sich. Die ganze Welt scheint aus friedliebenden Bürgern zu bestehen.
- Bei uns stimmts aber.
- Dann könnt ihr ja jetzt auch weiter.
- Haste gesehen?
- Was soll ich denn gesehen haben?
- Die haben die Hosen voll.
- Hab ich nett gesehen. Die waren vielleicht wirklich nur aufem Abendspaziergang.
- Quatsch. Die laufen hier doch nicht mit zwanzig Mann rum und genießen den Sonnenuntergang. Die kommen wieder.
- Und dann?
- Kriegen se ne Kugel in ihre Scheißbirnen.
- Kannste doch nich machen.
- Mit deiner Keule kommste nich weit. Die werden dich abstechen. Einfach so. Das sind Verbrecher. Glaubs mir.
- Sind einfach arme Jungs.
- Unsinn. Red dir die Welt nich besser, als se ist.
- Ich glaub, ich geh jetzt heim …
- Biste bekloppt.
- Das kann hier doch nur in die Hose gehen. Dann sollen sie sich eben holen, was se sich holen wollen.
- Lass ich nich zu. Dein Laden liegt neben meinem. Ich knall die für dich ab.
- Lasses und geh heim. Ich will das nett.
- Nö. Niemals. Wollt schon immer ma so ne Kugel in so nem Gangsterkopp versenken.
- Denke, du hast schon ma auf Leute geschossen.
- Waren keine Leute. War im Krieg.
- Und wen bringt man im Krieg um?
- Den Feind, Idiot. Das hier iss auch Krieg. Sind auch Feinde. Die darf man töten.
- Und wenn da einer drunter ist, den de kennst.
- Kenn doch keine Verbrecher.
- Ich geh jetzt.
- Geh nur, du Schwächling. So n Bürger muss auch bereit sein, etwas für seinen Besitz zu tun.
- Ich geh heim und schlaf mich aus.
- Das ist ja nun wirklich ne Frechheit. Geht heim und schläft.
- Du da!
- Was willsten, Alter!
- Mach dich heim. Haste nix von der Ausgangssperre gehört?
- Und du, Alter, was machst du hier?
- Pass auf, wie de mit mir redest. Ich gehör zur Bürgerwehr.
- Quatsch. Bisten alter Pisser mit einem Revolver in der Hand.
- So, das hatte er jetzt von seinen Beleidigungen. Blutet mir die ganze Straße voll. Idiot. Hätte auf mich hören sollen. Immerhin gehör ich zur Bürgerwehr. Ich bin nich irgendwer. Nö. Nich irgendwer!
Sammelbild (Große Revolutionäre)
29. Januar 201129. Januar 2011, Zwischenbericht, 14.29 Uhr
29. Januar 2011Die Seraphe und ich waren beim Chinesen. Völlerei in seiner reinsten Form. Die Teller wie Schießeisen im Anschlag eilt man durch das Restaurant. Eine Hohefest für fette Menschen, die hier reichlich beim Schmausen beobachtet werden konnten. Der Glückskeks durfte nicht fehlen, versprach er mir doch eine Führerschaft in diesem Land. Nicht schlecht. Und alles für 6,50 Euro.
Anschließend eilten wir noch zum Kassenhäuschen des Kinocenters, um uns dort Karten für Black Swan zu besorgen.
„Kein Kuschelsitz?“
„Nein!“
Raus in die Kälte, die sich in unsere Gesichter krallte.
Jetzt sitze ich hier, zur Linken den obligatorischen Kaffee, und werde an meinem Roman arbeiten, während die Seraphe auf dem Sofa liegt und einen Thriller liest.
Ich lese der Seraphe den kurzen Eintrag vor. Sie weist mich darauf hin, dass sie in der Sonne liegt, ganz so wie eine Katze es sich vor dem Ofen bequem macht.
Revolte
29. Januar 2011Raus und auf die Straßen und einen Stein in die Hand nehmen und ihn werfen.
Ich stelle mir das so vor: Ich stürme die Treppen hinunter, skandiere: “Es lebe die Revolution, es lebe die Revolution, es lebe die Revolution.”
Da eher ältere Leute in diesem Haus wohnen, könnte es dauern, bis sie ihr Hörgerät angeschaltet haben. Nach etwa einer halben Stunde schlurfen sie verwundert und missmutig zu ihrer Haustür.
Erschöpft renne ich bereits zum zwanzigsten Mal durch das Treppenhaus.
Sie öffnen endlich die Türen, linsen heraus und sagen dann: „Herr Rohm, seien Sie doch bitte etwas ruhiger.“
Das wird mich natürlich nicht bremsen, geht es hier doch schließlich um die Revolution.
Also brülle ich: „Folgt mir! Ich trage den Aufstand jetzt auf die Straße.“
Die alten Leute werden den Kopf schütteln und sich bei Gelegenheit der Hausverwaltung anvertrauen.
Einen echten Revolutionär kann solcherlei Widerstand nicht aufhalten. Er lässt sich von nichts aufhalten. Nicht einmal von Regen.
Leider fällt an diesem Tag davon viel.
Ich setze die Revolution daher für eine Stunde aus. Ich kehre in meine Wohnung zurück, rauche eine Zigarette und sehe mir noch einmal den Film „Lenin – Revolutionär und Frauenheld“ an. Der Film gilt in Fachkreisen als unseriöses Machwerk. Ich mag ihn. Vor allem die Szene, wenn all die Frauen auf Lenin stürmen, um sich für die Revolution leicht bekleidet zu bedanken. Gewagt. Keine Frage. Aber so könnte es gewesen sein.
Wenn der Regen dann endlich nachgelassen hat, kann auch die Revolution fortgesetzt werden.
Ich räume meine Kaffeetasse fort und greife nach dem Revolutionsstein, den ich auch „Stein des Anstoßes“ nenne. Ich habe ihn im letzten Jahr bei einem Badeurlaub in Griechenland aufgelesen und am Zoll vorüber geschmuggelt. Der Stein ist groß und könnte einen großen revolutionären Schaden anrichten. Ich vertraue auf das griechische Steingut, zumal die Griechen auf eine vorbildliche autonome Szene blicken können, die jeden Griechen mit Stolz erfüllen muss.
Ich nehme also meine Revolution wieder auf, stürme abermals schreiend durch das Treppenhaus nach unten. Die alten Leute scheinen sich an meine Unruhen gewöhnt zu haben. Die Türen bleiben geschlossen. Niemand kümmert sich um mich. Das Bürgertum hat also bereits innere Barrikaden errichtet.
Ich lass mich von derlei Widerstand aber nicht abhalten. Ich stürme mit meinem Stein auf die Straße.
Ich bremse ab. Ich stehe vor einem gewissen Anton Wassermann, der, soweit ich mich erinnern kann, drei Häuser entfernt mit seiner Frau und seinem Sohn wohnt. Ich spiele mehrere revolutionäre Anrufungen durch und entscheide mich dann für: „Kapitalistisches Dreckschwein!“
„Herr Rohm!“, ruft er aus.
Ich zeige ihm meinen Stein und kläre ihn kurz und bündig über meine umstürzlerischen Absichten auf. Er könne sich hier und jetzt der Revolution anschließen. Wassermann entscheidet sich dagegen. Ich hebe nur kurz die Schultern und sage dann: „Schade, Sie hätten ein Mitglied des „Komitees zur Niederringung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer eventuellen und noch nicht näher benannten kapitalistischen Folgestaaten“ werden können.“ Er solle sich aber nicht bei mir beschweren, wenn sich Revolutionäre später an seinem Haus und seiner Frau zu schaffen machen.
Wassermann blickt mich grimmig an. Dann holt er aus und verpasst mir eine Ohrfeige. Meine Wange schwillt augenblicklich an. Ich kann es nicht fassen. Kaum ist die Revolution auf die Straße getragen, schon wird sie von der Bourgeoisie verhöhnt und verfolgt.
„Dann halt nicht“, sage ich und trage die Revolution zu seinem Auto. Ich hole aus und versenke den Revolutionsstein …
… leider nicht in seinem Wagen.
Der Stein liegt verloren auf einem Stück Wiese. Wassermann beginnt zu lachen. Ich beschließe mich zurück zu ziehen.
Die Revolution wird kommen. Da bin ich mir sicher. Sie wird ihren Geist durch diese Straße tragen und dann wird es auch für Wassermann einzig noch den zustimmenden Blick geben. Der Kapitalismus ist ein untergehendes System.
Zurück in der Wohnung schalte ich rasch die Nachrichtenkanäle durch. Keine Meldung über mich. Seltsam.
Ich ruhe mich aus. Lege die DVD „Der Pate“ ein. Ich übe die Gesichtszüge von Michael Corleone.
Später am Abend träume ich von einem Besuch meines Nachbarn.
„Du haste also Problema mit der Polizei?“
Ich spreche wie einer dieser Mafiosi.
„Nein“, sagt Wassermann. „Ich habe mit meinem Nachbarn Rohm Probleme. Er beschimpft meine Frau. Was soll ich machen?“
„Ah, nix da, nix da“, sage ich zu ihm. „Rohma ist eine gute Mann. Lass ihn. Er wird uns alle befreien.“
„Meinen Sie wirklich?“
„Hey, sehe ich wie eine dumme kleine Frau aus. Nein! Wasse ich sage, wirde kommen.“
Ich leide an keiner ausufernden Fantasie. Ich glaube einfach an die Revolution. Sie wird kommen. Mit mir. Ohne mich. Darum geht es nicht.
Es geht um die Revolution. Und sie wird irgendwann dort unten auf dieser Straße ankommen.
Sicher!
Papas Staatskino ist tot: Hamburger Manifest von Klaus Lemke – Protest gegen das Filmfest 2010
28. Januar 2011ICH FORDERE INNOVATION STATT SUBVENTION. ICH FORDERE DAS ENDE JEDWEDER FILMFÖRDERUNG AUS STEUERMITTELN. DER STAAT SOLL SEINE GRIFFELN AUS DEM FILM ENDLICH WIEDER RAUSNEHMEN.
13 JAHRE STAATSKINO UNTER ADOLF UND DIE LETZTEN 40 JAHRE STAATLICHER FILMFÖRDERUNG HABEN DAZU GEFÜHRT, DASS DER DEUTSCHE FILM SCHON IN DEN SIEBZIGERJAHREN AUF KLASSENFAHRT IN DER TOSKANA HÄNGENBLIEB; DASS AUS REGISSEUREN SOFT SKILLS-KASTRATEN UND AUS PRODUZENTEN VEREDELUNGSJUNKIES WURDEN.
WIR BAUEN DIE SCHÖNSTEN AUTOS.
WIR HABEN DIE SCHÖNSTEN FRAUEN.
ABER UNSERE FILME SIND WIE GRABSTEINE.
BRAV. BANAL. BEGÜTIGEND. GOETHEINSTITUT.
ABER FILM IST KEINE AUSSTERBENDE TIERART. FILM IST AUCH KEIN INTELLIGENZBESCHLEUNIGER. FILM MUSS NOCH NICHT MAL GUT SEIN.
FILM MUSS NUR WIRKEN.
DAS TUT DER DEUTSCHE FILM SCHON LANGE NICHT MEHR.
RETTUNG KANN ALLEIN VON OMAS HÄUSCHEN KOMMEN, DAS MAN HEIMLICH BEI DER BANK BELEIHT. DENN NUR FÜR DAS EIGENE GELD LOHNT ES SICH NACHZUDENKEN – WENN ES IN GEFAHR IST. UND GELD
BEIM FILM IST IMMER IN GEFAHR. OHNE DAS WIRDS NICHTS.
GELD VOM STAAT IST IMMER EIN TRITT GEGEN DIE EIGENE KREATIVITÄT. VOR EIN PAAR WOCHEN WURDE KLAMMHEIMLICH DIE ENGLISCHE FILMFÖRDERUNG EINGESTELLT – DIE EINZIG ERFOLGREICHE IN EUROPA. ABER EBEN AUCH VOLLKOMMEN UNNÖTIG. DER FÖRDERWAHN FÜHRTE DEN ENGLISCHEN FILM INS NIRVANA. ACH DIESE ENGLÄNDER! ES GIBT NOCH HELDEN. BEI UNS NUR EINEN: DOMINIK GRAF. WÜRDE MAN JEDE FILMFÖRDERUNG AUS STEUERMITTELN ÜBER NACHT EINSTELLEN – WIR WÄREN IN ZWEI JAHREN DAS KREATIVSTE FILMLAND IN EUROPA UND EINE ECHTE KONKURRENZ ZU HOLLYWOOD. WEITER SO WIE JETZT BLEIBEN WIR DIE TOPLANGWEILER WELTWEIT. DER DEUTSCHE FILM GEHÖRT ENDLICH BEFREIT AUS DEN GEFÄNGNISSEN DER FFA. NO PAIN. NO SPAIN. LEMKE.
Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy
28. Januar 2011“Kunst ist, wenn man’s nicht kann. Denn wenn man’s kann, ist es ja keine Kunst mehr.”
Leer
28. Januar 2011Der Stuhl ist leer, sagt sie mit tränenerstickter Stimme, sie schluchzt, sie schluckt Tonnen von Schmerz in ihren Bauch hinunter, es rumpelt in ihrem Bauch, denn da ist kein Platz mehr, für nichts, nicht einmal mehr für Essen, ach, sagt sie, geh mir mit dem Mittagessen weg, was will ich denn damit, denn er wird nie wieder auf dem Stuhl sitzen, nie wieder mit einem Lachen ins Zimmer stürzen, die Hosen aufgerissen und dreckig, er wird uns keine Geschichten erzählen, warum er zu spät gekommen ist, sie zeigt auf den Stuhl, eine starre Geste, die nicht enden will, sie verharrt, weist auf den Stuhl, den sie dort stehen lassen werden, heute, die nächsten Jahre, sie wird sich von ihrem Mann trennen, weil sie mit dem Schmerz nicht leben können, weil jeder anders mit dem Schmerz lebt, sie werden ein Leben ohne den Jungen führen, aber so etwas kann es nicht geben, sagt sie, es kann kein Leben ohne ihn geben, es wird kein Leben ohne ihn geben, sie wiegt sich vor und zurück, ihr Körper wird zu einem Gebet, sie wird sich in den Nächten vor Schmerz krümmen, denn er hat ihnen ihr Kind genommen, sie schreit es in Raum hinein, tu doch etwas, sie brüllt ihren Mann an, ich will mein Kind zurück, gib mir mein Kind, aber ihr Mann schweigt, er schweigt sich in seine Welt des Schmerzes, sein Verlust kennt keine Worte, er würde gerne etwas sagen, möchte ihr ins Ohr flüstern, es geht ihm gut, er ist im Himmel, aber sie würde fragen, gibt es den denn überhaupt, den Himmel, er würde stumm nicken, natürlich, natürlich, aber er würde es längst schon nicht mehr aussprechen, denn er ist in seinem Kopf gefangen, er denkt an den Täter, er will ihn sehen, ihn töten, der Hass beginnt sich wie eine Nebelbank in seinem Kopf auszubreiten, der Hass hüllt alle anderen Gedanken ein, töten, denkt er, nein, nicht einfach töten, man müsste ihn langsam foltern, ganz langsam, so wie er es mit meinem Jungen gemacht hat, das muss man verstehen, jeder wird mich verstehen, denkt er und hört nicht das laute Weinen seiner Frau, die auf den Stuhl zeigt, immer wieder auf den leeren Stuhl, die schließlich den Kopf hängen lässt, bring mir mein Kind, jetzt.
Ikone
27. Januar 2011Da sitzt er.
Die Ikone einer ganzen Generation.
Der Mann, der gegen das System aufbegehrte, der sich in einem Meer aus Frauen suhlte, der die freie Liebe und den Kampf gegen die Konventionen beschwor.
Er hebt den Kopf und sieht uns bitter an.
Sagt: Man wird halt alt. Und das bisschen Geld kann ja auch nicht schaden.
Er beugt sich nach vorne. Hebt einen Stock auf. Kratzt Kreise in die trockene Erde. Er sieht sich aufmerksam dabei zu.
Hey, rufen wir ihn an, aber er scheint uns nicht mehr zu hören.
Eine seiner Geliebten aus alten Tagen, die unvergessliche Ursula, an die wir uns alle erinnern, obwohl wir sie nie gesehen haben, an die wir uns erinnern, weil ihre Geschichte über die Leinwand flimmerte und sie so zu einem Teil unseres kollektiven Gedächtnisses wurde, gab ein Interview. Sie sagte, er sei eine traurige und erbärmliche Witzfigur.
Wir rufen ihn an, sagen, hey, Rainer, aber er malt weiterhin seine Kreise, er scheint uns nicht hören zu wollen, bis ihn plötzlich aus dem Off die Stimme des Regisseurs anherrscht: Rainer!
Er hebt den Kopf.
Was ist, murmelt er.
Die Stimme gibt ihm die Anweisung, sich in den hinteren Teil des Lagers zu begeben. Dort würden heute Hoden von irgendeinem unaussprechlichen Tier verspeist. Er sei einer der Glücklichen, die sich schon mal den Bauch reiben dürften. Rainer verzieht das Gesicht. Dann hebt er langsam die Schultern.
Was soll ich machen, sagt er zu uns.
Begehr auf, sagen wir zu ihm. Wehr dich!
Nein, nein, winkt er ab. Wir sollten hier nicht mit solchen revolutionären Gedanken hausieren gehen, sagt er. Das würde nur für Ärger sorgen. Und den kann er hier nun wirklich nicht gebrauchen.
Wir sprechen ihn noch einmal auf die Ursula an.
Die versteht das nicht, sagt er nur.
Er läuft langsam zu den bereits aufgestellten Tellern. Einmal dreht er sich noch um. Er sieht uns traurig an und legt den Finger auf die Lippen. Dann geht er weiter. Wir sehen ihm nach. Lange. Und dann ist er irgendwann einfach nicht mehr zu sehen.




