Die Pathologie befindet sich bis Ende Januar 2011 in der Winterpause!
Archiv für Dezember 2010
Winterpause
27. Dezember 201027. Dezember 2010, Geselle und Greifer, 6.00 Uhr
27. Dezember 2010Weintraubs Herz rast. Er nuckelt an seinem Zigarillo. Starrt auf den Bildschirm.
Wer hat ihm jetzt schon wieder die Pest an den Hals gewünscht? Ein gewisser Anonym! War er das? Er kann sich nicht daran erinnern. Möglich wäre es.
Weintraub beschimpft sich seit Jahren immer wieder auf seiner eigenen Internetseite. Er tritt unter den verschiedensten Masken auf und hinterlässt Beleidigungen.
Weintraub, Ihre Karriere lief schon besser, Sie Anfänger!
Dann wartet er auf die anderen Leser. Die echten Leser, die, denen er etwas bedeutet, die seine Bücher kaufen und lieben, die ihn für ein verkanntes und links liegen gelassenes Genie halten.
Er hält sich für dieses Genie. Deshalb schreibt er auch besonders gerne Aufsätze über andere verkannte Genies. Man bewegt sich dann auf Augenhöhe mit dem wahren Selbst. Ahnt, das eigene Leben wird nicht nur ein Trugbild gewesen sein, nicht nur ein Schleiertanz vor den Augen.
Er überprüft die Zahl seiner heutigen Seitenaufrufe.
Nicht genug, denkt er und klickt sich noch ein wenig höher.
Zufrieden über den ersichtlichen Andrang und das damit verbundene Interesse an seiner Person und seiner Literatur streicht er sich eine Strähne aus dem Gesicht.
Leider gibt es kaum Kommentare. Da muss etwas geschehen. Er überlegt. Was könnte er denn heute gegen sich im Schilde führen?
Hm …
Da hat er die rettende Idee. Ein Drohbrief!
Er wäre einer, schreibt er, der da etwas über ihn wüsste. Er lässt natürlich alles in der Schwebe, verliert sich nicht in Einzelheiten. Das lässt es bedrohlicher wirken. Er überprüft rasch noch die sorgsam eingeflochtenen Rechtschreibfehler. Schon im nächsten Augenblick ist der Drohbrief ein Teil seiner Seite, ein Teil seines seit so vielen Jahren minutiös durchgeplanten Werks.
Erschöpft lehnt sich Weintraub zurück. Sein Herz pocht aufgeregt, hat er doch vor wenigen Sekunden die Denunziationen eines gewissen Greifer über sich ergehen lassen müssen. Natürlich wird er eine Antwort verfassen. Aber vielleicht …
Weintraub erneuert seine Seite. Immer und immer wieder. Da draußen wird doch einer sein, der ihn verteidigen will. Er wartet ab. Nichts.
Also setzt er sich an seine eigene Verteidigungsschrift, die er unter dem Namen Geselle einstellen wird. Geselle hat hier schon öfter geschrieben. Er ist bekannt, sich besonders tiefgründig mit Weintraubs großen Romanen auseinandergesetzt zu haben. Solche Leser können sich Autoren nur wünschen oder aber eben im stillen Kämmerlein erfinden.
Geselle nimmt kein Blatt vor den Mund. Das ist einer, der noch tüchtig austeilen kann. Greifer wird sich wundern. Weintraub lacht hell auf. Langsam wird es eng in seinem Arbeitszimmer. Auf seiner Stirn haben sich kleine Schweißtropfen gebildet. Weintraub wischt sie fort. Seine Augen leuchten. Er ist nur noch wenige Klicks von seiner perfekten Verteidigung entfernt.
Da ist sie. Er liest die Worte. Er kann sein Glück nicht fassen.
Gut, dass es noch solch treue Leser gibt, denkt er und lehnt sich erschöpft zurück.
26. Dezember 2010, Die Straße, 8.10 Uhr
26. Dezember 2010Die Straße endet irgendwo im Nirgendwo, sie versickert im Sand, dort draußen, weit vor der Stadt. Wisst ihr jetzt von welcher Straße ich rede? Die Sonne hängt wie ein bissiger Hund am Himmel, wartet auf die Bauarbeiter, die nicht mehr kommen, die längst vergessen haben, wo die Straße eigentlich hin führen soll. Man hat sie auf Anweisung des Straßenbauamtes begonnen, bis die Kämpfer kamen und die Arbeiter beschossen. Tag für Tag starben mehr Mitarbeiter. Das ist keine Straße dieser Welt wert. Und diese Straße auf keinen Fall. Eine Straße durch die Wüste, durch das Nichts, von einem Sandkorn zu einem weit entfernten anderen Sandkorn. Sie sollte mehr ein Symbol sein. Weniger eine Straße. Die Arbeiter bauten die Straßen. Die Symbole überließen sie den Politikern.
Und immer wieder tauchten bewaffnete Motorradbanden auf, Tücher vor den Gesichtern. Sie rasten an den Bussen der Arbeiter vorüber, suchten nach den Gesichtern der Fremden, achteten auf helle Haut, denn helle Haut war ein Symbol für den Tod.
Manchmal schossen sie auch direkt auf die Arbeiter.
Das sind keine Arbeiter, sagten die Männer mit den Gewehren, das sind Überläufer, das sind Feinde.
Also schossen sie auch die Arbeiter tot. Sie schossen sie direkt in den frischen Teer, aber sie jaulten nicht auf, auch wenn das ihre Anführer manchmal verlangten, denn sie schossen hier auf ihre eigenen Leute.
Sie waren nicht verblendet, nicht einmal vom Hund am Himmel, sie waren einfach müde, sie hatten es satt, die fremden Gesichter um Erlaubnis zu fragen, wenn sie in ihre eigenen Städte wollten. Also schossen sie auf die Fremden, sie schossen sie von Brückenköpfen und sprengten sie vom Markt. Freiheitskampf nannten sie das.
Und dann fragten sie uns mit betrübten Gesichtern: Was würdet ihr denn tun?
Wir schüttelten uns den Sand aus den Haaren und hoben die Schultern und sagten nichts, weil wir keine richtige Antwort hatten, aber auch, weil wir um unser Leben fürchteten, denn die falsche Antwort kann dir schnell die Kehle aufschneiden. Wir bewegten nur den Oberkörper hin und her und zeigten nach draußen in die Wüste, wir sagten nichts, aber sie verstanden uns trotzdem.
Sie nickten, bestiegen ihre Motorräder und fuhren los.
25. Dezember 2010, Willkommen auf Tara, 9.20 Uhr
25. Dezember 2010„Wie stellst du dir das vor?“
„Wir nennen deine Wohnung Tara. Im Wohnzimmer …“
„Da ist nicht aufgeräumt. Ich müsste erst mal …“
„Du sollst mir zuhören. Immerhin bezahle ich dich dafür.“
„Entschuldige.“
„Ich will dich als starken Aufseher. Du peitscht mich rüber auf die Baumwollfelder. Die liegen im Wohnzimmer. Verstanden?“
„Ich weiß nicht … – Wie lange soll das Ganze denn gehen?“
„Bis zum 1. Januar.“
„Das ist eine ziemlich lange Zeit.“
„Das dürfte für dich nicht so schlimm sein. Immerhin bist du der Aufseher.“
„Schon, aber …“
„Ich will deine Macht spüren. Jede Sekunde des Tages. Hast du mich verstanden? Verflucht! Sieh mich an, wenn ich mit dir spreche.“
„Tut mir leid.“
„Also, was will ich spüren?“
„Meine Macht.“
„Genau! Deine Macht! Du bist der Aufseher über diese Plantage. Du befiehlst über unzählige Sklaven. Du hasst uns. Du bespuckst uns. Du nimmst dir den Sex, wenn du ihn willst, denn du bist der verfluchte Gott über deren und mein Leben. Ich will, dass du mich morgens aus dem Heuballen schreist. Benutze abwertende üble Begriffe.“
„Soll ich das denn …“
„Verflucht! Warum stellst du dich so an. Benimmt sich etwa ein weißer Aufseher so? Nein!“
„Wir müssen alles festlegen. Ich will keinen Fehler begehen.“
„Ich will, dass du es mir mit deiner Reitpeitsche …, ich will, das du mich damit penetrierst, aber nicht zu oft, nur wenn ich dir ein Zeichen gebe.“
„Wie soll das Zeichen denn aussehen?“
„Ich …, warte … ich werde dir zublinzeln.“
„Wie denn zublinzeln? So oder so. Vielleicht auch so. Du musst die Augen schon etwas länger geschlossen halten, damit ich auch wirklich sicher sein kann, dass du jetzt …“
„Vergiss das Blinzeln. Hast du mich verstanden. Sieh mich an. Verflucht, sieh mich an, wenn ich mit dir rede. Vergiss das Blinzeln.“
„Ja, ja, ist ja gut. Aber wie soll das Zeichen nun aussehen? Du musst es mir sagen.“
„Ich überlege ja schon. Warte. Idiot.“
„Nenn mich nicht so!“
„Ist ja schon gut. – Hast du denn Urlaub eingereicht?“
„Das ist erledigt.“
„Gut, gut! Schlag mich nie zu heftig. Ich will bluten. Aber ich will nicht dieses verfluchte Haus zusammen schreien. Am Ende haben wir noch die Bullen hier stehen. – Stell dir das mal vor. Die Bullen mitten in unserem kleinen Südstaatentraum. Da stehen sie. Sehen uns an. Du als großer böser weißer Aufseher. Und ich als hilfloses Negermädchen, während du mich gerade mit Reitpeitsche penetrierst.“
„Hm. So lustig finde ich das gar nicht. Und was ist jetzt mit dem Zeichen?“
„Welches Zeichen, ach, dieses Zeichen. Ja. Ich könnte mit den Händen klatschen. Das ist gut. Ich klatsche viermal hintereinander in die Hände. Dann bin ich bereit.“
„Du musst jetzt aber gehen.“
„Warum? Was soll das? Ich dachte, ich bleibe gleich hier.“
„Meine Eltern kommen. Das habe ich dir erzählt. Meine Eltern kommen immer am ersten Weihnachtsfeiertag.“
„Fuck!“
„Du musst gehen!“
„Ich habe meine ganzen Sachen schon unten im Auto.“
„Komm heute Abend wieder.“
„Und wo soll ich hin?“
„Dreh ein paar Runden.“
„Ein paar Runden. Arschloch. Hast du mal raus gesehen. Die Straßen sind glatt, die sind arschglatt, mein Lieber. Ich werde noch einen Unfall bauen.“
„Das ist aber nun wirklich nicht mein Problem.“
„Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.“
„Was denn?“
„Na, dich als Aufseher!“
„Keine Angst. Wenn es drauf ankommt, dann kann ich eine unbedingte Härte an den Tag legen.“
„Ich habe nicht mal deinen Schwanz gesehen. Ist er groß? Ist er klein? Was ist damit? Er sollte schon etwas einschüchternd auf mich wirken.“
„Das geht jetzt einfach zu weit. Du wirst ihn früh genug zu sehen bekommen.“
„Kann ich nicht mal einen kleinen Blick darauf werfen?“
„Jetzt nicht. Ich habe dir doch gesagt, dass meine Eltern jeden Moment kommen können. Und deshalb musst du jetzt auch gehen.“
„Ich gehe ja gleich. Sei doch nicht so unfreundlich. Etwas gastfreundlicher, bitte. Das werden dir deine Eltern doch beigebracht haben?“
„Vielleicht sollten wir die Sache abblasen.“
„Jetzt reg dich nur nicht auf. Ich will einfach hier bleiben.“
„Und ich habe dir erklärt, dass das nicht geht. Komm heute Abend wieder. Dann können wir los legen. Dann wird aus dieser kleinen Wohnung Tara. So, wie du es dir erträumst. Es wird perfekt werden. Aber jetzt musst du gehen. Du kommst nicht darum herum. Du musst gehen.“
„Und wenn ich deinen Eltern sage, ich wäre deine neue Freundin?“
„Dann wären sie ziemlich überrascht. Ich habe nämlich nie etwas von dir erzählt. Und ich telefoniere mit meiner Mutter jeden Tag. Sie würde es nicht glauben.“
„Du wolltest sie überraschen. Erzähl ihnen, du wolltest sie mit mir überraschen.“
„Und wenn sie uns dann zu sich einladen?“
„Dann haben wir eben wieder Schluss gemacht.“
„Das ist eine bescheuerte Idee. Und das weißt du auch.“
„Nein, das ist eine gute Idee. Glaub mir.“
„Fuck! Fuck! Fuck! Das sind sie …“
„Was ist jetzt?“
„Ich muss ihnen öffnen. Ich …“
„Ich bin einfach eine gute Bekannte.“
„Moment. – Hallo? Mama, ich mach auf!“
„Gute Bekannte?“
„Dann komm rein. Sag so wenig wie möglich. Hast du mich verstanden?“
„Ich werde ihnen von dir vorschwärmen.“
„Sei still, sie sind bereits auf der Treppe … Mama, Papa, da seid ihr ja endlich. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Darf ich vorstellen, das ist …, das ist Sarah. Wir … arbeiten zusammen.“
„Ja, das tun wir. Schön, Sie endlich einmal kennen zu lernen. Willkommen bei Ihrem Sohn. Willkommen auf Tara.“
Heiligabend im Stern
24. Dezember 2010Hier geht es zu einer “Weihnachtsgeschichte”, die ich für GETIDAN geschrieben habe …
Weihnachten in New York
24. Dezember 2010Die Seraphe und ich in New York. Abgelichtet vom Foto-Künstler Walter M. Rammler.
Weihnachten 2010
24. Dezember 201024. Dezember 2010, Die Heimfahrt der Toten, 7.03 Uhr
24. Dezember 2010Beobachte deine Finger. Klopfe den Takt. Da ist keine Musik. Was hörst du da also? Sieh raus. Grau. Nichts ist trostloser als ein überfrorenes Feld. Und der Himmel? Da ist kein Himmel. Da sind Wolken. Die lassen sich nicht einfach auseinander schieben. Du könntest es versuchen. Du klopfst den Takt. Noch immer. Keine Musik. Da ist keine Musik. Das habe ich dir doch bereits erklärt. Ich könnte meinen Nacken reiben. Lass das! Da ist kein Nacken. Was soll das …? Wann fahren die weiter. Ich will nach Hause. Ich kann diese kahle Stelle vor mir nicht mehr sehen. Was rede ich da? Du redest nicht. Du denkst. Unsinn! Von dir lasse ich mir nichts einreden. Die kahle Stelle auf dem Hinterkopf vor dir taucht nur jede halbe Stunde auf. Das war vor einer halben Stunde. Jetzt liegt sein Kopf seitlich. Er bewegt sich nicht mehr. Er ist eingeschlafen. Er könnte auch tot sein. Warum könnte er das sein? Weil du es auch bist. Unsinn! Ich klopfe mit meinen Fingern einen Takt auf das Lenkrad. Ich sehe die Wolken. Das Feld. Ich stehe im Stau. Du bist Teil eines … Sprich es nicht aus. Ich bin das nicht. Ich bin auf dem Nachhauseweg. Das bist du. Ganz bestimmt. Lach nicht! Ich lache nicht. Ich versuche dich davon zu überzeugen, dass wir tot sind. Wir? Ich kenne dich nicht. Du bist ich. Du bist meine innere Stimme. Schon! Innere Stimmen überleben. Und jetzt will ich dir klar machen, dass wir tot sind, entschuldige, dass du tot bist. Bin ich nicht. Bist du doch. Ich bin auf dem Nachhauseweg. Heute ist Heiligabend. Du würdest doch eh allein feiern. Das geht dich nichts an. Du bist nur eine innere Stimme. Ich bin du. Merk dir das! Dann lass uns gemeinsam beten und hoffen. Warum sollten wir das tun? Wir wollen … Wir wollen gar nichts. Du willst es nicht begreifen. Wir sind tot. Sind wir nicht. Ich werde jetzt aussteigen und laufen. Lass das! Warum? Du könntest dich erkälten! Jetzt habe ich dich! Was? Ich könnte mich erkälten. Das hast du gesagt. Habe ich das? Ja, ja! Dann habe ich es wohl gesagt. Und? Tote können sich erkälten. Sieh mal. Wo? Dort drüben! Die laufen über das Feld. Die sind auch tot! Innere Stimme hin oder her. Ich verlange, dass du sofort aus meinem Auto steigst. Das ist nicht so einfach. Warum nicht? Das kannst du dir doch denken. Der Hinterkopf! Er hat sich bewegt. Er hat sich nicht bewegt. Widersprich mir nicht ständig. Das ist meine Aufgabe. Ich werde hier sitzen und einen Takt auf mein Lenkrad klopfen. Ich werde dir nicht weiter zuhören. Ich werde warten. Irgendwann geht es weiter. So ein Stau löst sich auf. Immer. Das haben die so an sich. Und dann werde ich nach Hause fahren. Ja. Ja. – Oder? Das werde ich doch? Sag etwas. Bist du jetzt etwa beleidigt. Leck mich doch! Ich bin nicht tot! Nein! Ich werde nach Hause fahren.
KOPFSCHUSS
23. Dezember 2010von Rittiner&Gomez und Guido Rohm
Weizman legt den Kopf zur Seite. Das Ohr berührt den Kragen des Pullovers. Er hat etwas gehört. Schritte. Dann ein Hilferuf. Er bewegt die Augen hin und her. Lauscht angestrengt. Nichts mehr zu hören.
Seine Frau schläft noch. Er schaltet den Fernseher ein. Die Morgennachrichten. Er stellt den Ton ab. Bleibt davor stehen. Sie zeigen Waffen. Viele Waffen. Weizman sieht aufmerksam hin. Über Waffen hat er sein Leben lang geschrieben. Billige kleine Krimis. Er hat überhaupt keine Ahnung von Waffen. Er hat nicht einmal recherchiert. Aus Faulheit. Er hatte kein Interesse daran. Die Leute in seinen Büchern wurden erschossen. Peng! Aus! Tot! Das war es.
Wie wäre es mit einer Geschichte über einen Waffenhändler, denkt Weizman.
Er schüttelt den Kopf.
Nein!
Nichts für ihn.
Er sieht zur Tür. War da nicht ein Geräusch?
Einbrecher, denkt Weizman.
Er geht langsam zur Haustür. Legt den Kopf an das dunkle schwere Holz. Irgendetwas ist dort draußen. Jemand. Er kann ihn atmen hören.
Unsinn, denkt Weizman. Das bist du selbst. Da ist nichts.
Er stellt sich seine eigene Erschießung vor. Ein paar Vermummte dringen ein. Halten ihm eine Glock an die Stirn und drücken einfach ab.
Sterben ist nicht schwer, denkt er.
Natürlich, widerspricht er sich. Sie könnten dich langsam zu Tode quälen.
Weizman steht an der Tür und denkt sich Foltermethoden aus.
Blöder Morgen, denkt Weizman schließlich.
Draußen ist nichts mehr zu hören.
War wahrscheinlich nur die Katze der Nachbarin, denkt er und schlurft in sein Arbeitszimmer. Er ist jetzt in der richtigen Stimmung für eine kleine gemeine Geschichte über ein paar Jungs, die einen alten Schriftsteller überfallen und dann langsam zu Tode foltern.
Warum sollten sie das tun? Sie müssen doch einen Grund haben.
Nein, denkt Weizman, heute brauchen sie keine Gründe mehr. Sie tun es einfach so. Einfach, weil sie es wollen. Weil sie …
Er beginnt zu tippen. Die Hauptfigur nennt er Finn. Den Autor nennt er Weizman. Das hat er schon oft getan. Das ist ein alter Witz von ihm.
Nach den ersten Sätzen hebt er den Kopf. Da sind Schüsse zu hören. Er springt auf.
Der Fernseher! Das ist nur der Fernseher. Seine Frau muss aufgestanden sein.
„Bist du das?“, ruft er ins Wohnzimmer rüber.
Keine Antwort. Er sieht sich hektisch um. Dann stürmt er zur Tür des Arbeitszimmers. Mit einem lauten Knall schlägt er sie zu. Lehnt sich dagegen. Schnauft.
Was für ein Morgen, denkt er und schließt die Augen.
Safe Heaven
22. Dezember 2010Hier geht es zu meiner Kurzgeschichte “Safe Heaven” nach Fotografien von Vanja Vukovicbei bei Faust-Kultur.







